Neuer Arbeitskreis will Moorboden schützen

Moorbodenschutz ist kein Randthema. Es betrifft die Region, die Landwirtschaft, das Klima – und damit alle Foto: Landvolk

Mit „echten Klimaaktivisten“ gemeinsam Lösungen erarbeiten

L P D – Auf dem Hof der Familie Grimm in Worpswede war vor kurzem spürbar, dass dort nicht nur über Klimaschutz gesprochen wird – dort wird er angepackt. Der neu gegründete Arbeitskreis Moorbodenschutz hat seine Arbeit aufgenommen, und das Landvolk ist mittendrin. Rund 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Landwirtschaft, Politik, Verwaltung und Wissenschaft kamen, um gemeinsam auszuloten, wie Moorböden geschützt und gleichzeitig bewirtschaftet werden können, ohne die Betriebe wirtschaftlich an die Wand zu fahren.

Stephan Warnken, Vorsitzender des Landvolk-Kreisverbands Osterholz, nahm in seiner Eröffnungsrede kein Blatt vor den Mund. Die Bedeutung der Moorböden für die Region sei enorm – und die Verantwortung auch. Er lobte die Landwirte, die sich bereits im Living Lab Teufelsmoor und in Projekten wie A.T.O. GmbH engagieren: „Ihr seid im positivsten Sinne echte Klimaaktivisten.“ Genau diese Mischung aus Pragmatismus und Tatkraft gab dem Auftakt seinen Ton.

Unterstützung kam auch aus Berlin: Lisa Neumann, Referentin für Klimaschutz im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, unterstrich, dass Moorbodenschutz ohne die Freiwilligkeit der Betriebe kaum gelingen könne. Neue Förderprogramme sollen den Mut zum Mitmachen stärken und wirtschaftliche Risiken abfedern.

Arbeitskreisleiter Jürgen Brüning brachte den Kern des Projekts auf den Punkt: Moorboden stehe für Heimat, Klima und Verantwortung – und müsse nicht nur erhalten, sondern weiterentwickelt werden. Der Arbeitskreis soll dafür ein Ort des Dialogs und des Wissensaustauschs sein.

Die anschließenden Fachvorträge zeigten, wie komplex das Thema ist. Uwe Schröder vom Koordinierungszentrum Moorbodenschutz zeichnete das Spannungsfeld zwischen Klimaschutz und Bewirtschaftung nach. Extensivierung koste Geld, Alternativen wie Paludikulturen oder Windkraft seien noch nicht ausreichend etabliert. Eine neue Förderung über 1,8 Millionen Euro soll zumindest die Paludikulturen voranbringen.

Dr. Arno Krause vom Grünlandzentrum Niedersachsen/Bremen machte deutlich, wie stark die Milchwirtschaft in der Region dabei unter Druck gerät. Mit Paludikulturen oder Photovoltaik gebe es zwar Alternativen – aber ohne Klarheit über Risiken und Erträge bleibe vieles Theorie.

Dr. Heinrich Höper vom Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie präsentierte schließlich kulturtechnische Maßnahmen wie die Sanddeckkultur, die in Kombination mit höherem Grundwasserstand deutliche CO₂-Einsparungen bringen könnte.

Bei der anschließenden Exkursion wurde vor Ort sichtbar, was die Vorträge beschrieben hatten. Während ein Bodenprofil deutliche Zersetzungserscheinungen zeigte, war wenige Meter weiter noch intakter Torf vorhanden – dank gezielter Maßnahmen wie einer Sanddecke. Arbeitskreismitglied Tetje Meyerdierks erklärte, dass genau diese technischen Lösungen nun weiterentwickelt werden sollen.

Die Veranstaltung machte klar: Moorbodenschutz ist kein Randthema. Es betrifft die Region, die Landwirtschaft, das Klima – und damit alle. „Wir sind die Erben einer langen Geschichte und gleichzeitig die Erbauer der Zukunft“, brachte es Arbeitskreisleiter Brüning zum Abschluss auf den Punkt. Der Arbeitskreis hat Fahrt aufgenommen. „Jetzt gilt es, tragfähige Lösungen zu entwickeln – ökologisch wie ökonomisch. Und das geht nur gemeinsam“, sieht Warnken abschließend das Motto des Landvolks hier wieder einmal positiv umgesetzt. (LPD 91/2025)

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