Regen und hohes Gras erschwerten Rehkitzrettung

Die diesjährige Rettungssaison zeigt wieder einmal: Gemeinsam lassen sich beeindruckende und ganz besondere Erfolge erzielen – auch wenn Regen, gewachsenes Gras und enge Zeitfenster zur Herausforderung wurden Foto: Rehkitzrettung Fischerhude

Saison abgeschlossen: Gemeinsam bewahrten Landwirte, Rehkitzretter-Vereine und Jägerschaften hunderte Kitze vor dem Mähtod

L P D – Die Mahd von Grünlandflächen im Frühjahr ist für viele Landwirte ein wichtiger Arbeitsschritt – und zugleich eine sensible Phase für das Wild. Besonders Rehkitze, die sich in den hohen Wiesen ducken und nicht fliehen, sind gefährdet. Umso wichtiger ist das Zusammenspiel von Landwirten, Rehkitzrettungsvereinen und Jägerschaften. Die diesjährige Rettungssaison 2025 zeigt wieder einmal: Gemeinsam lassen sich beeindruckende und ganz besondere Erfolge erzielen – auch wenn Regen, gewachsenes Gras und enge Zeitfenster zur Herausforderung wurden, teilt der Landvolk-Pressedienst mit.

„Die vielen Regenpausen waren in diesem Jahr eine echte Herausforderung“, berichtet Marion Werner von der Rehkitzrettung Lehre. An sonnigen Tagen stieg die Zahl der Anfragen sprunghaft an. Dank flexibler Piloten und Helfer konnten aber fast alle Wünsche erfüllt werden. Trotz des Wegfalls einiger Stammflächen mit 48 Hektar wuchs das Einsatzgebiet sogar leicht, da 88 Hektar neue Grünlandflächen hinzukamen. Mit der Anschaffung weiterer Drohnen im Einzugsgebiet konnte zudem die Einsatzanzahl des ehrenamtlichen Rehkitzretter-Teams reduziert werden. „Das ist erfreulich, denn so kamen wir nicht, wie in den Vorjahren, an unsere Belastungsgrenze. Eine tolle Entwicklung ist hier zu beobachten“, berichtet Werner. Das Ergebnis: Auf fast 470 Hektar konnten an 29 Einsatztagen 60 Rehkitze und drei Junghasen vor dem Mähtod gerettet werden – bei null Verlusten.

In Fischerhude war zwischen Ende April und Anfang Juli Hochsaison, berichtet Sarah Meyer von der örtlichen Rehkitzrettung. Dort wurden auf fast 2.500 Hektar 42 Einsatztage absolviert. Neben Rehkitzen retteten die Ehrenamtlichen auch Hasen, Igel sowie Gelege von Bodenbrütern. Sogar durch Wärmebildkameras entdeckte Kadaver konnten geborgen werden: „Das ist eine wichtige Maßnahme, um Botulismus im Futter zu verhindern“, erklärt Meyer. „Ein ganz besonderer Moment war die Rettung des 100. Kitzes der Saison – ein selten geschecktes Jungtier. Solche Augenblicke zeigen uns, warum wir diesen Aufwand betreiben“, berichtet Meyer glücklich.

Allein mit der neuen Drohne DJI Mavic 3 Thermal konnten in günstigen Lagen bis zu 64 Hektar an einem Morgen abgesucht werden, in Summe schafften die Teams bis zu 160 Hektar am Tag. Dennoch bleibt ein Engpass: „Trotz bester Technik nützt alles nichts ohne genügend Piloten. Über 90 Landwirte sind mittlerweile in unserem Programm – und wir wollen möglichst keinem absagen. In Stoßzeiten vermitteln wir Landwirte an benachbarte Rehkitzrettungen“, beschreibt Meyer das gute Miteinander.

Auch der Verein Rehkitzrettung Weserbergland hat durch die Förderung der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) eine weitere moderne Drohne angeschafft, die Kitze während des Überfluges markiert. „So kann ein Sicherungsteam mit iPad und Koordinaten sofort losgehen, während die Suche noch läuft“, erklärt Vereinsmitglied Jörg Grabandt. Das Ergebnis: Eine Leistungssteigerung von 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Allerdings machte das durch Sonne und vielen Regen extrem hoch gewachsene Gras die Suche schwieriger. „Das Gras ging uns teilweise bis an die Hüften. Aus der Luft wölbte es sich dann wie ein Dach über die Tiere“, schildert Grabandt. Dennoch wurden aufgrund vieler neuer Mitglieder und der Unterstützung der Landwirte, die vermehrt ihre Flächen rechtzeitig meldeten, auf 200 Wiesen 31 Rehkitze gesichert.

Das Bundesförderprogramm Rehkitzrettung unterstützt den Einsatz von Drohnen mit Wärmebildkameras. 2024 wurden bundesweit fast 500 Geräte gefördert, davon 67 in Niedersachsen. Für das Landvolk ist klar: „Diese Technik ist ein wichtiger Baustein, ersetzt aber nicht das Engagement vor Ort. Die Zusammenarbeit zwischen Landwirten, Rehkitzrettern und Jägerschaften ist dabei entscheidend“, sagt Landvolk-Vizepräsident Frank Kohlenberg, der als Jäger im Weserbergland aktiv die Rehkitzsuche begleitet. Die Bilanz der Saison 2025 zeige wieder einmal, wie erfolgreich Kooperation sein kann: Hunderte gerettete Kitze und ein wachsendes Netz engagierter Menschen. „Am Ende profitieren alle – die Tiere, die Landwirte und die Natur“, betont Kohlenberg abschließend.

Er dankt allen Beteiligten – wie auch der Präsident der Landesjägerschaft Niedersachsen, Helmut Dammann-Tamke, für ihren enormen Einsatz. Dammann-Tamke betonte in diesem Zusammenhang nochmal die Bedeutung der Jägerschaft: „Wir freuen uns, dass in Gesprächen im Vorfeld einer möglichen Novellierung des Landesjagdgesetzes Einvernehmen mit dem Landwirtschaftsministerium herrscht, dass die Jägerschaft der erste Ansprechpartner beim Thema Rehkitzrettung ist.“ (LPD 60/2025)

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