Rinderhalter kritisieren EU-Politik

„Wir sollen nachweisen, dass jedes einzelne Rind keine Entwaldung verursacht hat – in Regionen, in denen es seit Jahrzehnten keine Entwaldung mehr gegeben hat. Das ist doch Wahnsinn“, sagte Felix Müller, Vorsitzender des Rindfleischausschusses beim Landesbauernverband, beim Treffen mit der Europaabgeordneten Lena Düpont. Foto: Landvolk Niedersachsen

Fachgespräch mit Europa-Abgeordneter Lena Düpont in Hannover

L P DAuf Initiative von Felix Müller, Vorsitzender des Kreislandvolkverbandes Ammerland und des Rindfleischausschusses beim Landesbauernverband, war die Europaabgeordnete Lena Düpont jetzt zu Gast im Landvolkhaus in Hannover. Auf der Tagesordnung standen die Themen „Umsetzung der EUDR – Entwaldungsfreie Lieferketten-Verordnung“, die Novellierung der EU-Tierschutztransportverordnung und die vorgesehene Änderung der Gemeinsamen Marktorganisation (GMO). Zum Thema EUDR erklärte die Abgeordnete, dass der Fokus der Verordnung außerhalb der EU liegen müsse: „Es ist ein Unterschied, ob wir Brandrodung im Amazonas verhindern wollen oder ob wir hierzulande mit zusätzlicher Bürokratie Betriebe belasten – in einem Land, das jährlich einen Zuwachs an Waldflächen verzeichnet statt eines Verlustes.“

Bullenmäster Müller warnt davor, dass Rinderhalter nicht mit übermäßigen bürokratischen Nachweispflichten für die Einhaltung des Gesetzes bestraft werden dürften: „Wir sollen nachweisen, dass jedes einzelne Rind keine Entwaldung verursacht hat – in Regionen, in denen es seit Jahrzehnten keine Entwaldung mehr gegeben hat. Das ist doch Wahnsinn“, kommentierte der Praktiker. Auch die EU-Tierschutztransportverordnung (EU-TierSchTrV) ist noch in der Diskussion: Die EVP im EU-Parlament wolle keine Regelungen, die über die bestehenden der Bundesregierung hinausgehen, betonte Düpont. Landvolkpräsident Dr. Holger Hennies regte an, in der Debatte um Tiertransporte eine Parlamentarische Anfrage zu den Kosten der Lebensmittelpreise durch bereits beschlossene Gesetze im Tierbereich zu starten. Düpont versprach, dies ebenso wie die weiteren Anregungen aus dem Fachgespräch mit „nach Brüssel und Straßburg“ zu nehmen.

Zum Stand der Änderungen der GMO bekräftigte Landvolk-Vizepräsident Frank Kohlenberg, dass eine deutliche Mehrheit der Landwirte gegen den Artikel 148 ist, der einen starken Eingriff ins Marktgeschehen vorsieht. „Der gewünschte Effekt der höheren Verhandlungsmacht wird ausbleiben das haben diverse wissenschaftliche Untersuchungen des Thünen-Instituts und der Fachhochschule Kiel bewiesen“, sagte Kohlenberg, der selbst Milchviehhalter ist. „Erfahrungen aus Frankreich zeigen, dass der durchschnittliche Milchpreis für die Landwirte durch solche Eingriffe sogar sinkt“, ergänzte Holger Hennies. Düpont versprach, zu diesem Thema mit EU-Agrarkommissar Christophe Hansen in Kontakt zu treten. Abschließend ermunterte Lena Düpont die Runde, ihre Wünsche zur künftigen Ausgestaltung der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) zu äußern. Dr. Holger Hennies nutzte die Gelegenheit, die radikale Verschlankung der hochkomplexen, dreidimensionalen „Grünen Architektur“ der GAP zu fordern; wobei die sogenannten GLÖZ-Kriterien abgeschafft und die Agrar-Umweltmaßnahmen AUKM dringend regionalisiert und vereinfacht werden müssten. (LPD 31/2025)

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