Rouladen sind die neuen Steaks

Ab 2030 gelten neue Vorgaben der Niedersächsischen Rindermastleitlinie, die unter anderem nach mehr Platz pro Tier und einer weichen, verformbaren Liegefläche verlangen Foto: Landvolk

Rindfleischausschuss diskutiert über Haltung von Bullen – Umfrage auf EU-Ebene

L P D – Die Preise für Jungbullen liegen derzeit aufgrund niedriger Tierzahlen auf Rekordniveau. „Verbraucherinnen und Verbraucher greifen deshalb eher zu günstigen Fleischstücken“, berichtet Felix Müller, Vorsitzender des Ausschusses für Rindfleisch im Landvolk Niedersachsen. Oder kurz gesagt: „Rouladen sind die neuen Steaks.“ Er geht davon aus, dass die Preise vorerst nicht sinken werden, da der höheren Nachfrage zu Weihnachten nur geringe Tierzahlen gegenüberstehen. „Die Bullen für Weihnachten werden jetzt geschlachtet, damit das Fleisch noch gut abhängen kann“, erläutert der Bullenmäster aus Rastede, der selbst 300 Tiere hält.

In der Diskussion zum Vortrag von Wilfried Naue, Landwirtschaftskammer Niedersachsen, unter dem Titel „Rindermast in Niedersachsen – Lohnt sich der Haltungswechsel?“ konstatiert Müller vor allem Landwirten mit weniger als einhundert Tieren Herausforderungen, den Betriebszweig weiterzuführen. Denn ab 2030 gelten die neuen Vorgaben der Niedersächsischen Rindermastleitlinie, die unter anderem nach mehr Platz pro Tier und einer weichen, verformbaren Liegefläche verlangen. „Da muss sich jeder Landwirt fragen, lohnt sich die Investition oder spezialisiere ich mich in einem anderen Bereich“, verdeutlicht Müller. In Zukunft werde es jedenfalls weniger deutsches Jungbullenfleisch geben, prophezeit er.

Bereits heute können Verbraucherinnen und Verbraucher an der Haltungsformkennzeichnung auf der Fleischverpackung erkennen, wie das Tier gelebt hat. „Die Einstufung in die Haltungsformen1 bis 5 filtert die verschiedenen Label, damit Konsumentinnen und Konsumenten es leichter und übersichtlicher haben“, erklärt Natascha Henze, Referentin für Vieh und Fleisch beim Landvolk Niedersachsen. Denn jedes Programm beinhaltet individuelle Regelungen zum Platzbedarf, zur Größe und Ausgestaltung der Liegeflächen sowie der Futterversorgung. Auf EU-Ebene steht eine Überarbeitung der Tierschutzgesetzgebung an. „Dabei geht es vor allem um die Abschaffung der Käfighaltung für alle Tierarten, die Etablierung von Tierwohlindikatoren und der Einführung von gleichwertigen Tierwohlstandards für Importe“, erläutert Henze. Sie ruft die Ausschussmitglieder dazu auf, sich an der Diskussion auf europäischer Ebene zu beteiligen und bis Mitte Dezember an einer öffentlichen Konsultation unter https://ec.europa.eu/info/law/better-regulation/have-your-say/initiatives/14671-On-farm-animal-welfare-for-certain-animals-modernisation-of-EU-legislation/public-consultation_de teilzunehmen: „Es ist wichtig, dass sich alle Landwirte daran beteiligen. Je mehr, desto besser, denn jede Stimme zählt.“ (LPD 92/2025)

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