Schafhaltung in der Krise: Deutschlands Bestände schrumpfen weiter

Schäferinnen und Schäfer sorgen für Artenvielfalt, pflegen Landschaften und sichern Deiche. Damit leisten sie einen unverzichtbaren Beitrag zum Natur- und Hochwasserschutz Foto: Landvolk

Herdenschutz, Kosten, Bürokratie sind die größten Belastungen für Schäfereien

L P D – Die deutsche Schafhaltung steht vor einem tiefgreifenden Wandel. Seit Jahrhunderten liefern Schafe Wolle und Fleisch, halten Grasnarben kurz und tragen durch ihren goldenen Tritt zum Hochwasserschutz bei. Doch trotz dieser vielfältigen Leistungen schrumpfen die Bestände seit Jahren spürbar. Nach aktuellen Zahlen der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) wurden 2024 bundesweit nur noch rund 1,5 Millionen Tiere gehalten – fast 90.000 weniger als vor zehn Jahren. In Niedersachsen sank der Bestand im gleichen Zeitraum um sechs Prozent auf fast 160.000 Schafe.

„Die Gründe für den Rückgang der professionellen Schafhaltung sind vielfältig“, erklärte ein BLE-Sprecher. Sowohl die Vermarktung von Wolle als auch die Preise für Lämmer bieten vielen Schäfereien schon lange keine kostendeckende Grundlage mehr. Hinzu kommen hohe Ausgaben für Futter, Tierarzt und Transport sowie ein stetig zunehmender Verwaltungsaufwand.

Gleichzeitig bleibt der Herdenschutz eine große Herausforderung. Trotz intensiver Präventionsmaßnahmen registrierte die Dokumentations- und Beratungsstelle Wolf (DBBW) im Jahr 2024 insgesamt 3.781 verletzte, vermisste oder getötete Schafe. Aufwendige Schutzmaßnahmen wie wolfsabweisende Zäunung oder Herdenschutzhunde verursachen hohe Kosten und belasten besonders kleinere Betriebe stark.

Diese Situation bestätigt auch der Förderverein der Deutschen Schafhaltung (FDS). Vorsitzender Wendelin Schmücker spricht von einer „akuten Existenzkrise“. Besonders besorgniserregend sei der demografische Trend: Mehr als die Hälfte der Berufsschäfer ist über 55 Jahre alt, und Nachwuchs fehlt vielerorts. Innerhalb von zwei Jahrzehnten habe sich die Zahl der Berufsschäfer halbiert; heute gebe es bundesweit nur noch rund 900 Betriebe. Die Rahmenbedingungen erschwerten einen Generationswechsel massiv: langwierige Genehmigungsverfahren, hohe Belastungen im Herdenschutz und ein reales Einkommen, das häufig unter Mindestlohn liege. „Die Schäfer sterben nicht aus – sie werden kaputt verwaltet“, warnt Schmücker.

Die gesellschaftliche Bedeutung der Schäferei geht weit über die Produktion hinaus. Schäferinnen und Schäfer sorgen für Artenvielfalt, pflegen Landschaften und sichern Deiche. Damit leisten sie einen unverzichtbaren Beitrag zum Natur- und Hochwasserschutz. „Wenn wir nichts ändern, geht in Deutschland das Licht der Schäferei aus. Dann steht irgendwann niemand mehr draußen auf den Weiden, der unsere Landschaft pflegt und Tiere hütet“, mahnt Schmücker und fordert ein entschiedenes Umsteuern seitens der Politik.

Auch Verbraucherinnen und Verbraucher können ihren Beitrag leisten: Wer bewusst zu regionalem Schaf- und Lammfleisch greift, unterstützt nicht nur eine artgerechte Tierhaltung, sondern fördert zugleich eine umwelt- und klimafreundliche Landwirtschaft vor Ort. Und dafür braucht es keinen besonderen Anlass – Lammfleisch kann nicht nur zu Ostern, sondern ebenso in der Advents- und Weihnachtszeit die festliche Tafel bereichern. (LPD 94/2025)

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