Wirksamstes Mittel gegen Tierseuchen ist Impfung

Das wirksamste Mittel gegen den Ausbruch von Tierseuchen ist die Impfung Foto: Landpixel

Tierseuchenausschuss des Landvolks Niedersachsen tagte in Hannover

L P D – Klimaveränderungen, weltweiter Handel und Reisetourismus führen dazu, dass Tierseuchen zu einer wachsenden Bedrohung werden – auch in Niedersachsen. Bei der Tagung des Tierseuchenausschusses des Landvolks Niedersachsen waren sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer einig: „Das wirksamste Mittel gegen viele Tierseuchenausbrüche ist die Impfung, wenn Impfstoffe zur Verfügung stehen. Wenn der Handel allerdings durch die Impfung eingeschränkt wird, haben die Tierhalter ein Problem.“ Daher sind weitere Präventivmaßnahmen, die der Früherkennung von Seuchen und dem Nachweis der Seuchenfreiheit dienen, von großer Bedeutung. Als Beispiele wurden die aktive und vor allem passive Überwachung, klare Meldewege, das rechtzeitige Einschalten von Tierärztinnen und Tierärzten und vor allem der Veterinärbehörden genannt.

„Es wäre sehr wichtig, dass neben Tierärztinnen und Tierärzten auch Landwirtinnen und Landwirte an spezifischen Fortbildungen zu Tierseuchen teilnehmen“, betonte die Vertreterin des Niedersächsischen Ministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (ML). Denn oft verberge sich hinter typischen Symptomen doch eine ganz andere Krankheit: „Die Landwirte müssen sehr aufmerksam sein.“ Gerade bei hochansteckenden Tierseuchen sei eine schnelle Reaktion wichtig, um sie einzudämmen. „Es hilft ja nichts, wenn wir die Augen zu machen und hoffen, dass der Kelch an uns vorübergeht“, warb der Ausschussvorsitzende Georg Meiners für weitgehende Maßnahmen.

Auch über weggeworfene Lebensmittel tierischer Herkunft können Tierseuchen eingeschleppt werden, so wie beispielsweise bei der Afrikanischen Schweinepest oder der Maul- und Klauenseuche: „Dadurch sind große Sprünge möglich“, sagt die ML-Vertreterin. Darüber hinaus bereiten vektorübertragene Tierseuchen, wie zum Beispiel die Blauzungenkrankheit, die durch bestimmte Insektenarten übertragen werden, große Sorgen. Mittlerweile sind verschiedene Serotypen des Virus der Blauzungenkrankheit (BTV) in ganz Europa unterschiedlich stark verbreitet. In Deutschland wurden in diesem Jahr im Vergleich zum Vorjahr weniger Feststellungen von Infektionen mit dem Serotyp 3 an das TierSeuchenNachrichten-System des Friedrich-Loeffler-Institut gemeldet. Aus Sicht des ML zeige das den Erfolg der Impfung und die Notwendigkeit, Tiere weiterhin impfen zu lassen.

Sorgen bereiten den Tierärztinnen und Tierärzten sowie Landwirtinnen und Landwirten Tierseuchen, die noch nicht in Deutschland nachgewiesen wurden, aber auf dem Vormarsch sind, wie die Lumpy Skin Disease, die Pest der kleinen Wiederkäuer oder die Epizootische Hämorrhagische Krankheit (EHD). „Diese Seuchen müssen wir fürchten und gleichzeitig können wir uns schützen“, lautet die Einschätzung der Expertin des ML. Besonders die EHD habe sich in Teilen Europas rasant ausgebreitet und sei hinsichtlich Symptomatik kaum von der Blauzungenkrankheit zu unterscheiden.

Ein weiteres Thema, bei dem es in kleinen Schritten vorwärtsgehe, sei die Vogelgrippe. „Es wird Winter, die Vögel ziehen, und damit werden die Ausbrüche wieder zunehmen“, lautete die Einschätzung im Ausschuss. Obwohl die Vogelgrippe sich mittlerweile auch in den Sommermonaten manifestiere, sei aktuell eine abnehmende Inzidenz sowohl bei Geflügel als auch bei Wildvögeln festzustellen. Impfungen gegen die Vogelgrippe seien zwar grundsätzlich möglich, es müssten jedoch die rechtlichen Rahmenbedingungen weiter angepasst und geeignete Impfstoffe identifiziert werden. In dem Zusammenhang sind Forschungsaktivitäten zu nennen, an denen auch Niedersachsen beteiligt ist. Aufgrund der aktuell geltenden rechtlichen Anforderungen sei mit einem sehr hohen Aufwand und Kosten für die gebotene amtliche Überwachung entsprechender Impfmaßnahmen sowie für die Dokumentation zu rechnen. Zudem seien bestimmte Vermarktungswege, zum Beispiel von Eintagsküken, eingeschränkt und Exportverbote in Bezug auf den Handel mit Drittländern zu erwarten.

Auch die Afrikanische Schweinepest (ASP) ist eine weiterhin auftretende Seuche. Insbesondere Wildschweinpopulationen in Deutschland geben Anlass zur Sorge. Es sei nicht entscheidend, dass die nächstliegende ASP-Sperrzone in Nordrhein-Westfalen nunmehr lediglich 80 km von der Landesgrenze nach Niedersachsen entfernt liege. Da auch die ASP „große Sprünge“ machen kann, ist jederzeit mit Einträgen des Virus auch über weitere Entfernungen zu rechnen. Niedersachsen ist jedoch gut vorbereitet. Zum Beispiel wird eine Wildtierseuchen-Vorsorgegesellschaft vorgehalten und vom Land finanziert. Für November 2025 ist eine ASP-Übung geplant, an der erstmalig auch Akteure entlang der gesamten Wertschöpfungskette beteiligt sein werden.

Das Niedersächsische Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz hat unter anderem unter Beteiligung des Landvolks Niedersachsen ein Positionspapier zur ASP verfasst, das der Europäischen Kommission zugeleitet wurde. In dem Positionspapier werden Anpassungen des Tiergesundheitsrechts der EU eingefordert, die der Vermeidung von unverhältnismäßigen wirtschaftlichen Einbußen für die von Sperrmaßnahmen betroffenen Betriebe und der Sicherstellung des Tierwohls in diesen Betrieben dienen sollen. Auf ein Schreiben von Ministerin Miriam Staudte hat die zuständige Direktion der Europäischen Kommission mitgeteilt, dass sie keine Spielräume für die vorgeschlagenen Anpassungen erkennt. Das ML betonte, „dass Niedersachsen sich weiterhin für legitimierbare Anpassungen des Tiergesundheitsrechts einsetzt und Bundesminister Alois Rainer um Unterstützung des Anliegens Niedersachsen gebeten hat.“ (LPD 71/2025)

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