Zukunft der Tierhaltung in Niedersachsen: Sorgen dominieren trotz Liebe zum Beruf

Landvolkpräsident Dr. Holger Hennies, Referentin Natascha Henze sowie die beiden Vizepräsidenten Hubertus Berges und Frank Kohlenberg präsentieren die jüngste Umfrage des Landvolks im Rahmen der „tierischGut aus Niedersachsen“-Aktionen. Foto: Landvolk Niedersachsen

Landvolk präsentiert weitere Umfrage-Ergebnisse: Auflagen- und Dokumentationspflichten müssen weg

L P D – Die niedersächsischen Tierhalterinnen und Tierhalter stehen aktuell vor großen Herausforderungen – und dennoch bleibt die Leidenschaft für den Beruf und die Arbeit mit den Tieren ungebrochen. Das Landvolk Niedersachsen nimmt die Sorgen der Tierhalter ernst, sieht aber auch klare Chancen für einen nachhaltigen Umbau der Tierhaltung, wenn die politischen und rechtlichen Rahmenbedingungen endlich zukunftsorientiert gestaltet werden. „Wenn Niedersachsen auch noch zukünftig bundesweit Agrarland Nummer 1 bleiben soll – schließlich stammen mit einem Volumen von 10,35 Milliarden Euro fast 60 Prozent des landwirtschaftlichen Produktionswertes aus der Tierhaltung – dann muss die neue Regierung zeitnah ein Moratorium für neue Auflagen und eine Entlastung der Betriebe auf den Weg bringen – nicht nur für die Landwirte selbst, sondern auch für vor- und nachgelagerte Bereiche wie Schlachtung, Verarbeitung und Molkereien!“, fordert der niedersächsische Landesbauernverband.

Die jüngste Umfrage des Landvolks im Rahmen der „tierischGut aus Niedersachsen“-Aktionen, zu der rund 1.300 Landwirte aus den verschiedenen Bereichen der Tierhaltung auswertbare Beantwortungen lieferten, zeigt: Viele Landwirte lieben ihren Beruf, fühlen sich aber durch eine Vielzahl an Auflagen, Dokumentationspflichten und mangelnde Planungssicherheit in ihrer Arbeit stark eingeschränkt. Besonders kleinere Betriebe, wie Mutterkuhhalter oder Schafhalter im Nebenerwerb, stehen unter Druck. Der Schutz vor dem Wolf, die hohe Arbeitsbelastung und die schwierige Vermarktung über zentralisierte Strukturen stellen sie vor große Herausforderungen. Dennoch ist die Bereitschaft groß, weiterzumachen – wenn die Rahmenbedingungen stimmen.

„Die stetig wachsende Auflagenflut ist der Haupttreiber, dass unsere Landwirte die Tierhaltung reduzieren bzw. ganz aufgeben. Auch wenn es schon x-mal gesagt wurde: Es muss schleunigst ein massiver Abbau der Bürokratie inklusive der Dokumentationspflichten stattfinden. Diese beiden Faktoren sehen unsere heimischen Tierhalter als die größte Herausforderung an – und das gilt auch für ökologisch arbeitende Höfe“, erklärt Landvolk-Vizepräsident Frank Kohlenberg.

Besonders positiv ist: Milchvieh- und Geflügelhalter zeigen Investitionsbereitschaft und planen mehrheitlich mit dem Erhalt oder dem Ausbau ihrer Tierhaltung. Auch in den Bereichen Stallbau und Tierwohlmaßnahmen wird weiter investiert – trotz schwieriger Bedingungen. Schweinehalter etwa setzen verstärkt auf tierwohlgerechte Ställe, nicht zuletzt aufgrund der anstehenden gesetzlichen Umbauverpflichtungen, etwa in der Sauenhaltung.

„Für einen erfolgreichen Umbau der Tierhaltung braucht es endlich praxisnahe Lösungen. Dazu gehören langfristige politische Förderkonzepte, ein verlässlicher Stallbestandsschutz über 25 Jahre sowie eine deutliche Vereinfachung von Genehmigungsverfahren“, zählt Vize-Präsident Kohlenberg, der selbst Milchviehhalter ist, auf. Besonders tierwohlgerechte und emissionsarme Haltungsformen müssen gezielt gefördert werden – auch durch Anpassungen im Bau- und Umweltrecht. Kritisch sehen die niedersächsischen Tierhalter die Wettbewerbsverzerrung durch Importe aus Drittstaaten, die unter deutlich geringeren Standards produziert werden. Hier fordert das Landvolk faire Bedingungen innerhalb der EU und eine klare, verpflichtende Haltungs- und Herkunftskennzeichnung – auch in der Gastronomie. „Nur so kann der Verbraucher aktiv eine bewusste Entscheidung für heimische Produkte treffen“, untermauert Kohlenberg und appelliert an die Politik auf Landes-, Bundes- und EU-Ebene: „Unsere Tierhalter wollen gestalten, investieren und weiter hochwertige, regionale Lebensmittel erzeugen. Dafür brauchen sie endlich verlässliche Rahmenbedingungen, praxisgerechte Gesetze und faire Marktbedingungen. Mit einer starken Landwirtschaft kann Niedersachsen auch künftig das Tierland Nummer eins bleiben – ökologisch, ökonomisch und gesellschaftlich wertvoll.“ (LPD 32/2025)

Die gesamte Umfrage steht hier zum Download zur Verfügung.

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