Mit Passion für die Welt des Wildes in Wald und Feld

Auszubildende sind aktiv an der Jagd beteiligt, sei es zur Erfüllung der Abschusspläne oder bei der Fangjagd. Im Gegensatz aber zur landläufigen Meinung, besteht die Ausbildung zu einem Großteil nicht aus der eigentlichen Jagdausübung. Vielmehr wird sehr viel Arbeitszeit in sogenannte Hegemaßnahmen investiert Foto: Landpixel

Zwölf grüne Berufe in Niedersachsen – Ausbildungsportrait Revierjäger/in

L P D – „Die Liebe zur Natur und dem Wild stehen für mich nicht im Widerspruch mit hoher Passion zur Jagd zu gehen. Entscheidend ist die Umsetzung und Beachtung der Bedürfnisse aller Beteiligten“, sagt Marcus Steiner, Revierjagdmeister in Niedersachsen. Diese Einstellung gibt er auch an seine Auszubildende Melissa Hagenberg weiter. Sie kannte die Welt des Wildes im Wald und im Feld nur aus den sozialen Medien, bis sie in der zehnten Klasse ein Schulpraktikum absolvierte und sich wegen der Corona-Pandemie „etwas an der frischen Luft“ gesucht hat. Gelandet ist sie bei einem Berufskollegen von Steiner.

„Da habe ich die Jagd aus einem ganz anderen Blickwinkel kennengelernt“, sagt Hagenberg heute. Mit 16 Jahren hat sie den Jugendjagdschein erworben und nach dem Abitur die Ausbildung zur Revierjägerin begonnen. Im Anschluss plant sie ein Forstwissenschaftsstudium. Derzeit absolviert die junge Frau den Blockunterricht des zweiten Lehrjahrs an der Bundesfachschule im niedersächsischen Northeim. Dort ist in Deutschland der Schulstandort für Revierjäger/in, die die Ausbildung über den Bundesverband Deutscher Berufsjäger absolvieren.

Die Berufsfachschule in Northeim wird als erstes Ausbildungsjahr anerkannt. Im zweiten und dritten Lehrjahr folgt die duale Ausbildung. Die Ausbildungsbetriebe sind dabei über Deutschland verteilt, während die Berufsschule im Blockunterricht in Northeim stattfindet. Über die gesamte Ausbildungszeit von drei Jahren absolvieren etwa 60 bis 80 Auszubildende in Deutschland die Ausbildung zum Revierjäger bzw. zur Revierjägerin. Im Ausbildungsjahr 2024/25 wurden sieben Auszubildende in niedersächsischen Ausbildungsbetrieben ausgebildet, zitiert der Landvolk-Pressedienst das Landesamt für Statistik.

„Während der insgesamt zehn Wochen Praktika im ersten Lehrjahr haben wir die unterschiedlichsten Reviere in ganz Deutschland kennengelernt“, sagt Hagenberg, und ihr Enthusiasmus ist deutlich zu hören. Ihre Begeisterung ist mittlerweile auch bei ihren Eltern angekommen, die zur Jagd keine eigenen Berührungspunkte hatten. „Sie waren schon skeptisch, als ich mein erstes Stück erlegt habe. Nachdem ich sie dann aber mal zur Hirschbrunft auf den Hochsitz mitgenommen habe, konnten sie meine Entscheidung verstehen – das ist etwas ganz Besonderes“, schwärmt die 20-Jährige.

Niederwild wie Hasen, Fasanen und Rebhühner seien jedoch genauso beeindruckend wie das imposante Rotwild. Die Auszubildenden sind aktiv an der Jagd beteiligt, sei es zur Erfüllung der Abschusspläne oder bei der Fangjagd. Im Gegensatz aber zur landläufigen Meinung, besteht die Ausbildung zu einem Großteil nicht aus der eigentlichen Jagdausübung. Vielmehr wird sehr viel Arbeitszeit in sogenannte Hegemaßnahmen investiert.  Dazu zählt die Lebensraumverbesserung und Gestaltung, wie zum Beispiel das Anlegen von Wildäsungsflächen und Biotopen, sowie deren Pflege. Des Weiteren geht es darum Wildlebensräume zu beruhigen und auch die Bedürfnisse des Wildes und vieler weiterer Arten zu beachten, bestätigt Ausbilder Steiner. „Wild gehört in die Natur – sowohl ein Reh in den Wald wie auch eine Sau ins Feld, allerdings alles in einer passenden und tragbaren Dichte“, verdeutlicht er.

Der Jagdschein ist Voraussetzung für die Ausbildung. „Der Jugendjagdschein gilt bis zum 18. Lebensjahr und bringt Einschränkungen mit sich, wie die Jagdausübung nur in Begleitung eines volljährigen Jagdscheininhabers“, weist der Berufsjäger auf eine wichtige rechtliche Voraussetzung hin. Daher sollten Auszubildende mindestens 18 Jahre alt und aufgrund der weitläufigen Reviere auch im Besitz eines Führerscheins sein, bevor sie mit der Praxis beginnen. Steiner hat seine Passion zum Beruf gemacht und lebt die Leidenschaft zur Natur jeden Tag – das Gleiche erwartet er auch von seinen Auszubildenden.

Weitere Informationen zu den zwölf grünen Ausbildungsberufen in Niedersachsen sowie zu freien Lehrstellen stehen unter www.talente-gesucht.de bereit. (LPD 25/2025)

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