Mitten in der Grillsaison stürzen die Schweinepreise ab – Landwirte sind frustriert
L P D – Vor dem Hintergrund des erneuten Preissturzes auf dem Schweinemarkt warnt das Landvolk Niedersachsen vor gravierenden Folgen für die heimische Schweinehaltung. Die Notierung der Vereinigung der Erzeugergemeinschaften für Vieh und Fleisch (VEZG) ist für Schlachtschweine um weitere zehn Cent auf 1,50 Euro je Kilogramm Schlachtgewicht gefallen. Nach Einschätzung des Landesbauernverbands verschärft diese Entwicklung die ohnehin angespannte wirtschaftliche Lage der Betriebe erheblich.
„Der dramatische Einbruch der Schweinepreise ist für unsere Landwirte nicht nachvollziehbar und kommt zur denkbar ungünstigsten Zeit“, erklärt Landvolk-Vizepräsident Jörn Ehlers. Mitten in der Grillsaison und zum Start der Fußballweltmeisterschaft mit hoher Nachfrage und einem saisonal rückläufigen Angebot seien eigentlich Impulse für eine stabilere Preisentwicklung zu erwarten gewesen. Die Schlachtunternehmen begründen die Preissenkung mit schwachen Fleischgeschäften, gut gefüllten Lagern sowie einem reichlich versorgten europäischen Markt.
Für die Schweinehalter hat die Entwicklung weitreichende Konsequenzen. „Viele Betriebe schreiben bereits seit Monaten rote Zahlen. Das aktuelle Preisniveau liegt deutlich unterhalb der Vollkostendeckung“, betont Ehlers. Nach aktuellen Berechnungen wäre ein Preis von rund 2 Euro je Kilogramm Schlachtgewicht erforderlich, um annähernd die Vollkosten bis in die Ferkelerzeugung zu decken. Eine Weiterentwicklung der Tierhaltung durch den Neubau von Ställen mit höheren Haltungsformen erfordere auch höhere Erlöse. Die Differenz von rund 50 Cent je Kilogramm führe zu erheblichen wirtschaftlichen Verlusten.
Besonders kritisch bewertet das Landvolk, dass die Lasten entlang der Wertschöpfungskette einseitig bei den Erzeugern abgeladen werden. „Die Schweinehalter können nicht dauerhaft die Margenprobleme der gesamten Wertschöpfungskette ausgleichen. Wer die Erzeuger immer weiter unter Druck setzt, gefährdet die Zukunft der heimischen Schweinehaltung und damit letztlich die gesamte Branche“, warnt Ehlers. Bei derzeitigen Ferkelpreisen von weniger als 50 Euro sei der Umbau und die Anpassung an die höheren Anforderungen der Tierschutz-Nutztierhaltungs-Verordnung für die Sauenhalter existenzbedrohend.
Das Landvolk Niedersachsen fordert daher ein Umdenken bei den Marktpartnern. Dazu gehöre ein klares Bekenntnis zur Vermarktung von Schweinefleisch aus Deutschland. „Die Schlachtbranche muss ihrer Verantwortung gerecht werden und dazu beitragen, die wirtschaftlichen Grundlagen der Schweinehaltung zu sichern. Andernfalls wird der Strukturwandel beschleunigt und die Zahl der Höfe weiter zurückgehen“, sagt Ehlers abschließend. (LPD 43/2026)
Ansprechpartnerin: Wiebke Molsen, Tel.: 0511 3670476, wiebke.molsen@landvolk.org






