Tierhalter sind auf einem guten Weg

Tierhalter sind auf einem guten Weg - Foto: Landpixel
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Antibiotikareduzierung Landwirte und Tierärzte wollen Resistenzen gegen Antibiotika gemeinsam vermeiden. Sie sollen noch gezielter eingesetzt werden, so Landvolkvizepräsident Albert Schulte to Brinke bei einer Landvolktagung in Thüle.

Nicht nur Landwirte, auch Tierärzte waren nach Thüle, Landkreis Cloppenburg, zur Tagung mit dem Thema „Antibiotikaresistenzen minimieren – was kann der Landwirt tun?“ gekommen. Sie müssen schließlich über den Antibiotikaeinsatz entscheiden. Zweifelsfrei stand aber auch der „One-Health-Ansatz“, die gemeinsame Anstrengung von Veterinär- und Humanmedizinern, im Fokus.

Mit Tierärzten und Ärzten
Nur gemeinsam seien die Probleme zu lösen, versicherte Bernd-Alois Tenhagen vom Bundesinstitut für Risikobewertung, Berlin. In der Tierhaltung sei die gezieltere Behandlung ein Weg. Als ebenso wichtig bezeichnete er insbesondere bei Geflügel die strikte Einhaltung aller Hygienevorschriften bei der Schlachtung, aber auch in der Küche.

Eindeutig lobten die Referenten die bisher erreichten Erfolge zur Minimierung des Antibiotikaeinsatzes in der Tierhaltung. Als praktischer Tierarzt warnte Dr. Georg Bruns aus Steinfeld, Kreis Vechta, vor einem direkten Vergleich der verabreichten Dosen bei Tier und Mensch, bei letzterem wird im Falle von Tetrazyklinen nur ein Zehntel der Menge eingesetzt, die Schweine oder Hühner je Kilogramm Körpergewicht erhalten. Zugleich warnte er vor höheren Mortalitätsraten, wie sie zum Beispiel in Dänemark nach einer staatlich verordneten Antibiotikareduzierung festgestellt wurden.

Der Tierarzt sah die Tierhalter auf einem guten Weg. Dazu beitragen würde auch der Strukturwandel zu größeren Einheiten mit besseren Haltungssystemen sowie die Zunahme von Schutzimpfungen oder der Verzicht auf prophylaktische Behandlungen aus einem „Sicherheitsbedürfnis“ heraus.

Verpönt seien dagegen niedrigere Dosierungen, zu kurze Behandlungszeiten oder der Verzicht auf eine Behandlung, wenn Gründe des Tierschutzes, der Lebensmittelsicherheit und auch des wirtschaftlichen Erfolgs dagegen stünden. Den höchsten Krankheitsdruck sah Bruns eindeutig bei Aufzuchttieren.

Strikte Hygiene
Er hatte für die Praktiker eine ganze Reihe handfester Tipps. Fütterung, Tränke oder Dosierungstechnik spielen dabei gleichermaßen eine Rolle, eine optimale Wasserversorgung mit gut funktionierenden Tränkebereichen erachtete er als ebenso wichtig wie strikte Hygiene im Fütterungssystem. Aber auch die gelebte innere Biosicherheit sei wichtig. Und schließlich könne auch über die Tierzucht die Tiergesundheit verbessert werden. Es sind also viele kleine Schrauben, an denen Tierärzte und Tierhalter gemeinsam drehen müssen.
Ein großes Manko sah Bruns jedoch in der mangelnden Möglichkeit, eine ausreichende  Diagnostik durchzuführen. Er bedauerte: „In Kontrolle wird in Niedersachsen aktuell mehr investiert als in diagnostische Angebote“.  Und als große Baustelle von morgen befürchtete er den Einsatz von Antibiotika gegen Folgen von Kannibalismus.

Lernen von den Besten
Auch nach Einschätzung von Dr. Sabine Kurlbaum vom LAVES lässt sich die Antibiotikareduzierung nur über eine verbesserte Tiergesundheit erreichen. Keinesfalls dürfe diese zu Lasten des Tier- und Verbraucherschutzes gehen. Nach ihrer Einschätzung ist das Minimierungskonzept jedoch bei den Beteiligten angekommen. Gleichwohl warb sie für mehr Akzeptanz der vorzulegenden Maßnahmenpläne der Betriebe, die über der Kennzahl 2 liegen. Auch wenn diese deutlich zeitlich verzögert zur vorgenommenen Maßnahme im Stall erstellt werden müssten, sei dieser Missstand aktuell rechtlich unvermeidbar. Die Maßnahmenpläne entsprächen nicht immer den geforderten Inhalten, für die letztlich stets der Tierhalter in der Verantwortung stehe.
Lerneffekte erhoffte sie sich für Landwirte durch Austausch untereinander, Stichwort „Lernen von den Besten“ oder Einbeziehung externer Berater.  Aber auch der Umgang mit der Datenbank solle durch den Austausch aller Beteiligten weiter optimiert werden. Ein besonderes Augenmerk in der Kontrolle gilt Höchstverbrauchern sowie Betrieben und Tierärzten, die trotz Problemen keinerlei Bereitschaft zu Veränderung erkennen lassen. Als ein Beratungsangebot an die Landwirtschaft stellte Dr. Maria Gellermann das Internet-Portal „Aniplus“ vor (siehe LAND & Forst, Ausgabe 44).
Die Besucherinnen und Besucher der Vortragstagung in Thüle bewerteten die Veranstaltung u.a. als informatives Update und nahmen nach eigenen Aussagen viele Anregungen für den eigenen Betrieb mit. Eine Kurzfassung der Vorträge steht unter www.landvolk.net.
Br