Auch der Apfelmarkt leidet unter dem Ukrainekrieg

Apfelblüte
Kern- und Steinobst im Alten Land liegen in der Entwicklung etwas vor dem langjährigen Mittel Foto: Landvolk
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Geringe Nachfrage nach heimischen Superfood macht mehr Sorgen als das Wetter

L P D – Schnee und Frost am Wochenende sowie die weiterhin eher kalten und regnerischen Aussichten für diese Woche machen den Äpfeln im Alten Land kaum etwas aus. „Aufgrund des bislang frühlinghaften Wetters haben Kern- und Steinobst einen ordentlichen Schub gemacht und lagen in der Entwicklung etwas vor dem langjährigen Mittel. Jetzt kam noch mal extreme Kälte. Das Steinobst, wie Kirsche und Aprikose, verträgt nicht ganz so viel Frost, doch dem Kernobst – wie dem Apfel – macht das kaum etwas aus“, erklärt Claus Schliecker, Vorsitzender der Fachgruppe Obstanbau im Landvolk Niedersachsen. Aber das sei alles noch im normalen Bereich, und zudem besitzen die Obstbauern im Alten Land die Möglichkeit, mit Frostberegnung der extremeren Kälte zu trotzen und das Obst zu schützen.

Bei diesem Entwicklungsstand verträgt der Apfel noch bis zu minus vier Grad, ohne dass etwas passiere. Aber jede Blüte sei anders, beschreibt Schliecker die Situation im größtem Obst-Anbaugebiet Nordeuropas mit fast 11.000 Hektar. Auf seinem über 300 Jahren alten Familienbetrieb an der Lühe baut der Vorsitzende Äpfel, Kirschen, Birnen, Pflaumen und Zwetschen – sowie mittlerweile auch Aprikosen, Pfirsiche und Nektarinen an. „Der Klimawandel macht dies möglich. Die Bäume stehen aktuell in voller Blüte. Alles läuft so, wie wir es gewohnt sind und wenn wir Werkzeuge haben, um zu korrigieren, dann ist alles okay“, verweist Schliecker auf die Themen-Felder, die den Obstbauern im Alten Land das Leben schwer machen und auf die sie keinen direkten Einfluss nehmen können.

Wie zum Beispiel der Absatz. „Wir sind mit ganz anderen Erwartungen in die Saison gegangen“, erklärt Claus Schliecker, denn weder Äpfel von den Streuobstwiesen und aus den Hausgärten noch Apfelkonzentrat waren nicht mehr auf dem Markt, sodass eigentlich gute Voraussetzungen gegeben waren. Doch Corona und der jetzige Ukraine-Krieg sorgen für eine enorme Kaufzurückhaltung beim Verbraucher. „Der Apfel spielt nicht mehr die Rolle, die er in der Ernährung haben sollte. Es ist schicker schnell Beeren zu snacken als einen Apfel zu schälen“, verweist der Obstbauer auf den Wandel der Essgewohnheiten. Auch der Umstand, dass Obst heutzutage ganzjährig statt saisonal auf dem Markt zu haben ist, trage dazu bei. Bio-Ware aus Übersee anstatt regional vor Ort zu kaufen, sieht Schliecker als Denkfehler der heutigen Gesellschaft.

Während andere landwirtschaftliche Bereiche aufgrund des Ukrainekrieges trotz steigender Kosten zumindest steigende Erlöse für ihre Produkte verzeichnen können, passiere auf dem Apfelmarkt das komplette Gegenteil. „Obstbau ist handarbeitsintensiv, und unsere Branche muss mit der Steigerung des Mindestlohns von anfangs 7,50 auf zwölf Euro zum 1. Oktober 2022 eine Lohnkostensteigerung wegstecken wie keine andere. Wer deutsches Obst, das unter hohen Sozial- und Umweltstandards produziert wird, haben möchte, der muss auch bereit sein, entsprechende Preise dafür zu bezahlen“, fordert Schliecker sowohl Verbraucher als auch vor allem den Lebensmitteleinzelhandel (LEH) zu mehr Ehrlichkeit auf. Der LEH müsse seinen Lippenkenntnissen zu mehr regional produzierter Ware endlich Taten folgen lassen – anstatt heimische Produkte zu verramschen. „Ein gutes Geschäft ist, wenn beide Seiten Geld verdienen“, so Schliecker.

Die Ukrainekrise zeige gerade die Schwächen in Deutschland auf. „Es hören zwar viele Betriebe auf, aber noch haben wir Obstbauern, die gerne produzieren. Die Politik muss entscheiden, ob wir als Landschaftspfleger auf Blühwiesen arbeiten oder Lebensmittel unter hohen Standards erzeugen sollen. Dazu muss sie Rahmenbedingungen setzen, damit Landwirtschaft und Obstbau auch noch in zehn Jahren in Deutschland möglich sind“, verweist Schliecker auf die aktuellen Umstände.

Trotz Werbeaktionen des LEH konnte der Absatz von Tafeläpfeln aufgrund der Ereignisse in den vergangenen Wochen nicht gesteigert werden, erklärt dazu auch die Agrarmarkt Informations-Gesellschaft mbH (AMI). Wegen der geringeren Nachfrage verlängere sich die Saison bei den aktuellen Hauptsorten Elstar, Gala und Braeburn. Auch die Jonagold-Gruppe komme laut AMI im Einzelhandel später zum Zuge. (LPD 27/2022)

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Silke Breustedt-Muschalla

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