Gülle und Gärreste enthalten wertvolle Nährstoffe

L P D – „Rein theoretisch“ stehen landesweit rund 2,6 Mio. Hektar Acker- und Grünland für die Nutzung von Wirtschaftsdüngern zur Verfügung. In viehreichen Gemeinden reichen die regional vorhandenen Flächen allerdings oft nicht aus, um die anfallende Gülle komplett vor den Hoftoren auszubringen. Gärreste aus Biogasanlagen haben diese Situation in den vergangenen Jahren zum Teil noch verschärft. Gleichwohl ist es falsch, Gülle und Gärreste pauschal zu verteufeln, teilt der Landvolk-Pressedienst mit. Die organischen Dünger enthalten wichtige Nährstoffe, die in den vieharmen Ackerbauregionen teuren Mineraldünger ersetzen können. Von einem generellen Nährstoffüberschuss kann in diesem Zusammenhang deshalb nicht die Rede sein, die Herausforderung liegt vielmehr in der richtigen Verteilung des anfallenden Wirtschaftsdüngers. Weil sich die landwirtschaftlichen Betriebe zunehmend spezialisiert und an die regionalen Gegebenheiten angepasst haben, wurde die Viehhaltung in Regionen mit sehr guten Böden, wie der Hildesheimer Börde, in den vergangenen Jahr-zehnten deutlich reduziert. In Regionen mit weniger ertragreichen Böden, aber einer guten Verkehrsanbindung wie im Raum Cloppenburg/Vechta, hat sich die Viehhaltung hingegen konzentriert. Es ist daher sinnvoll, dass die Nährstoffe in der Gülle wieder in die Ackerbauregionen „zurückwandern“, denn von dort wurde ein großer Teil zuvor als Futtergetreide in die Veredelungsregionen geliefert. Durch den Einsatz von Gülle aus den Veredelungsregionen in Biogasanlagen der Ackerbaugebiete könnte dort der Maisanbau, durch die anschließende Ausbringung des Gärsubstrats auch der Einsatz von Mineraldünger reduziert werden.

Die Rückführung der Nährstoffe in die Ackerbauregionen erfordert neue Investitionen. Geeignete Transportfahrzeuge sind für eine ganzjährige Abnahme ebenso notwendig wie zusätzliche Lagermöglichkeiten. Seit 2005 hat sich die Anzahl der  Gülle- und Gärrestauf-nehmenden Betriebe fast verdoppelt, Tendenz weiter steigend. Landwirte, Lohnunternehmer und Berater nutzen ihre Erfahrungen, um ein nachhaltiges Nährstoffmanagement zu entwickeln. Es soll zu einer klassischen Win-Win-Situation führen und den schlechten Ruf der Gülle beheben. Im Gespräch sind zum Beispiel Spezial-LKW, die organische Dünger in die Ackerbauregionen bringen und von dort Futter wieder mit zurücknehmen, auch Schiff und Schiene sind als Transportmöglichkeiten im Gespräch. Eine weitere Innovation ist die sogenannte Separierung, denn durch die Abtrennung der festen Bestandteile von Gülle und Gärresten verbessern sich die Transportmöglichkeiten. Auch die Verarbeitung zu Pellets wird erprobt. Wichtig für die Umsetzung der notwendigen Investitionen sind verlässliche rechtliche Rahmenbedingungen, ohne unkalkulierbare „Schnellschüsse“ der Politik. (LPD 55/2013)