Sauenhalter: Weitermachen oder aufhören?

„Die Tierhalter stehen vor einer schwierigen Entscheidung, und eindeutige Empfehlungen sind angesichts der politischen Unsicherheiten nicht einfach“, so Enno Garbade (Vorsitzender des Arbeitskreises Sauenhaltung) Foto: Landvolk

Betriebs- und Umbaukonzept oder Erklärung zur Aufgabe bis zum 9. Februar nötig

L P DDie Zahl der Sauenhalter in Niedersachsen hat sich seit 2010 um 70 Prozent verringert, die Zahl der Sauen um 35 Prozent. Seit 2020 ist ein regelrechter Absturz des Sauen- und Schweinebestandes festzustellen. „Besonders die bäuerlichen Familienbetriebe, die die Politik doch eigentlich schützen will, waren davon betroffen“, sagt Enno Garbade, Vorsitzender des Arbeitskreises Sauenhaltung im Landvolk Niedersachsen. Er prangert die gestiegene Bürokratie an und nennt als einen Grund für die Aufgaben der Tierhalter die unsichere wirtschaftliche Lage gepaart mit neuen Verpflichtungen aus der Politik in immer kürzeren Zeitabständen.

Aktuell müssen beispielsweise Tierhalter, die Sauen und Jungsauen im Deckzentrum noch nicht gemäß den neuen Haltungsvorgaben in Gruppen halten und eine verlängerte Übergangsfrist nutzen möchten, bis spätestens 9. Februar 2024 ein Betriebs- und Umbaukonzept beim zuständigen Veterinäramt einreichen. „Können wir diese Investition nicht stemmen, müssen wir die Ställe schließen“, verdeutlicht Garbade. Falls die Absicht besteht, die Sauenhaltung auf Dauer aufzugeben, ist ebenfalls eine verbindliche Erklärung der Aufgabe erforderlich. In diesem Fall muss die Sauenhaltung spätestens bis 9. Februar 2026 eingestellt werden. Der Landesbauernverband befürchtet dadurch nun einen weiteren Rückgang der Tierzahlen.

„Niedersachsen ist von den Änderungen besonders betroffen, weil dort mit 366.000 Sauen deutschlandweit die meisten Tiere gehalten werden“, verdeutlicht Garbade die traditionell gewachsenen Strukturen des Agrarlandes. Laut Destatis folgt Nordrhein-Westfalen mit im Mai 2023 gezählten 317.000 Sauen, Bayern und Sachsen-Anhalt rangieren mit 148.000 beziehungsweise 115.000 Muttertieren auf Rang drei und vier.

„Im Arbeitskreis Sauenhaltung wollen wir vor allem die aktiv wirtschaftenden Landwirte stärken – auch zum Wohle der Verbraucher“, sagt Garbade. Er befürchtet, dass viele Tierhalter in Deutschland aus Kostengründen aufhören und, dass das Fleisch im Gegenzug aus einfachsten Standards aus dem Ausland importiert wird. Die Sauenhaltung sei für die Schweinefleischerzeugung aus regionaler Herkunft systemrelevant. „Ohne Sauenhaltung hat auch die Mastschweinehaltung in Deutschland keine Zukunft“, sagt Garbade abschließend. (LPD 06/2024)

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