Informationen zum Niedersächsischen Weg

Das Landvolk erkennt eindeutig den Wunsch der Gesellschaft, noch mehr für den Natur-, Arten- und Gewässerschutz zu leisten, an. Niedersachsens Bäuerinnen und Bauern sind dazu bereit, deshalb geht das Landvolk den Niedersächsischen Weg der Landesregierung mit. Gemeinsam werden auf diesem Weg verschiedene Gesetzesvorschläge ausgearbeitet und in die parlamentarische Beratung gegeben. In diese Konzepte bringt sich das Landvolk Niedersachsen gestaltend ein und schlägt aktiv Lösungen für die richtige Balance zwischen Natur und Landwirtschaft vor. Weitere Informationen finden sie auch auf unserer Informations-Webseite zum Niedersächsischen Weg unter www.niedersaechsischer-weg.de und hier. Letzte Aktualisierung: 02.07.2020

Inhaltsverzeichnis

Bundesweit einmalige Allianz

Bundesweit einmalige Allianz für Natur-, Arten und Gewässerschutz

Sieben Unterschriften für eine bundesweit einmalige Vereinbarung, die Landesregierung, Landvolk, Landwirtschaftskammer sowie Natur- und Umweltverbände am Montag, 25. Mai, auf einem Bauernhof in Wunstorf getroffen haben – „Der Niedersächsische Weg“. In dem gemeinsamen Vertrag verpflichten sich alle Beteiligten zu großen Anstrengungen bei Natur- und Artenschutz, bei Biodiversität und beim Umgang mit der Ressource Landschaft.

Symbolträchtig wurde die Vereinbarung auf einem Blühstreifen der Familie Widdel am Ortsrand von Mesmerode (Region Hannover) unterzeichnet. Familie Widdel bewirtschaftet ihren landwirtschaftlichen Betrieb bereits seit Generationen.

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil lobte die gemeinsamen Anstrengungen aller Vertragspartner: „Ich freue mich sehr darüber, dass Vertreterinnen und Vertreter von Naturschutzverbänden und Landwirtschaft mit uns gemeinsam den ‚Niedersächsischen Weg‘ hin zu mehr Natur-, Arten- und Gewässerschutz gehen werden. Mein herzlicher Dank gilt allen Beteiligten für die konstruktiven Verhandlungen in den vergangenen Monaten. Dabei ist es gelungen, die unterschiedlichen Interessen in einen ausgewogenen und gegenseitig anerkannten Ausgleich zu bringen.“

Die Landesregierung werde für die Umsetzung der zahlreichen konkreten Schritte „erhebliche finanzielle Mittel zur Verfügung stellen“, versicherte der Ministerpräsident: „Die Umsetzung wird durch eine Erfolgskontrolle und ein Monitoring gesichert. Dieser starke gemeinsame Schulterschluss ist ein großer Fortschritt für den Umweltschutz in Niedersachsen. Auf dieser Grundlage wird es jetzt darum gehen, einen Gesetzentwurf zu erarbeiten, der die Vereinbarung umsetzt.“

Umweltminister Olaf Lies zeigte sich sehr zuversichtlich, dass das Ergebnis der monatelangen Beratungen, die durch das Umwelt- und Landwirtschaftsministerium organisiert wurden, eine gute Grundlage für die Arbeit der nächsten Monate an den Gesetzen und Rahmenbedingungen ist. „Umwelt, Natur- und Artenschutz geht uns alle an und ist vor allem auch eine Verantwortung gegenüber den nachfolgenden Generationen.

Die letzten Jahre waren häufig geprägt von Forderungen vor allem an die Landwirtschaft, aber es mangelte oft an konsequenten und langfristigen Lösungen die eine breite Akzeptanz hatten. Erfolgreich werden wir nur sein, wenn alle Beteiligten ihren Beitrag leisten. Sich gegenseitig als Partner zu betrachten, ist der richtige Weg. Das setzt aber auch voraus, dass man Verständnis füreinander hat“, erklärte Lies bei der Vertragsunterzeichnung.

Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast hob hervor: „Diese Vereinbarung zeigt, dass die Landwirte Teil der Lösung sind. Sie wirtschaften mit und in der Natur, haben das Wissen und den Willen, sich für den Artenschutz einzusetzen. Mit dem Niedersächsischen Weg gelingt es uns erstmals, eine berechtigte Forderung der Gesellschaft einzulösen, unsere Kulturlandschaft zu erhalten. Umweltverbände, Landwirtschaft und Politik wollen sich gemeinsam dieser Aufgabe stellen.“

Eine Überzeugung, die Holger Hennies, Vize-Präsident Landvolk Niedersachsen, nachdrücklich teilt. Er unterzeichnete den Vertrag für das Landvolk. Landvolk-Präsident Albert Schulte to Brinke betonte in einer Stellungnahme: „Wir wissen um die Bedeutung umweltpolitischer Themen und wollen uns aktiv dafür einsetzen, mehr Artenschutz mit der Ernährungssicherheit vereinbar zu machen. Hier werden wir uns als leistungsfähige Landwirtschaft aktiv mit einbringen und gestalten. Deshalb haben wir den Niedersächsischen Weg gewählt. Er mag bei den Landwirten zu Anfang durchaus Bedenken hervorrufen und mit Ängsten verbunden sein. Ich bin mir aber sehr sicher“, ergänzte der Präsident des Landvolks, „dass wir mit diesem ganz neuen Ansatz für unsere Betriebe zweifelsfrei den besseren Weg gewählt haben, um mehr Qualität im Natur- und Artenschutz mit der Landwirtschaft zu erreichen. Zum einen, weil wir den weiteren Prozess jetzt aktiv mitgestalten können und nicht in der Zuschauerrolle verharren müssen, zum anderen, weil die Politik uns zugesagt hat, dass zusätzliche Leistungen unserer Landwirte auch entsprechend bezahlt werden.“

Für Gerhard Schwetje, Präsident der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, hat die Vereinbarung für die Betriebe aus Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Gartenbau und Fischerei „den großen Vorteil, dass sie dadurch genau wissen, was in den nächsten Jahren an Aufgaben, Veränderungen und Ausgleichszahlungen auf sie zukommt – das macht die Anpassung an eine noch mehr auf Artenvielfalt ausgerichtete Wirtschaftsweise viel besser planbar“. Als breit aufgestellte Beratungsorganisation werde die Landwirtschaftskammer die Betriebe „während des gesamten Anpassungsprozesses mit aller Kraft unterstützen.“ Dank der Tatsache, dass die LWK von Anfang an in die Planungen eingebunden worden sei, habe sie maßgeblich dazu beigetragen können, dass neben den Belangen des Natur- und Gewässerschutzes auch die wirtschaftlichen und sozialen Interessen der Betroffenen berücksichtigt würden, betonte Schwetje: „Wichtig ist uns außerdem, dass die Beteiligten des Niedersächsischen Weges für die Umsetzung der Vereinbarung eine enge Abstimmung sowie regelmäßige sach- und fachgerechte Bewertungen beschlossen haben.“

Der Vorsitzende des BUND in Niedersachsen, Heiner Baumgarten, nannte die Vereinbarung „einen Meilenstein für den Natur- und Artenschutz in Niedersachsen“. Enthalten sind nicht nur Verbesserungen im Naturschutz-, Wasser- und Waldgesetz des Landes, sondern auch zusätzliche jährliche Finanzmittel ab 2021 im hohen zweistelligen Millionenbereich für Maßnahmen im Naturschutz sowie neue Förderprogramme, die den Bewirtschafterinnen und Bewirtschaftern Anreize bieten, freiwillig mehr für die Artenvielfalt zu leisten.“ Baumgarten hob zugleich hervor: „Nun muss die Umsetzung konsequent vorangetrieben werden. Dazu zählen insbesondere die Verabschiedung der notwendigen Gesetzesänderungen und die Weiterentwicklung der Förderprogramme zum Insekten- und Wiesenbrüterschutz. Der BUND erwartet konkrete Ergebnisse noch in diesem Jahr und wird das weitere Verfahren kritisch begleiten.“

„Die gemeinsamen und konstruktiven Bemühungen der unterschiedlichen Partner zeigen, dass wir uns inhaltlich annähern können“, lobte auch Holger Buschmann, Landesvorsitzender des NABU in Niedersachsen, die konstruktiven Gespräche. „Der NABU unterzeichnet diese Absichtserklärung sehr gerne, da sie den Rahmen und Startpunkt für einen weiteren Dialog bildet“, ergänzte Buschmann: „Nun wird es darauf ankommen, die einzelnen Punkte dieses Weges möglichst rasch in die Umsetzung zu bekommen. Dazu müssen noch zu formulierende Programme und Gesetze sowie die notwendige finanzielle Unterfütterung von den politischen Gremien beschlossen werden. Ziel muss es sein, den Verlust an Lebensräumen und Arten auch tatsächlich zu stoppen.“

„Mit dem Vertrag verpflichten sich alle, für Natur- und Artenschutz zu arbeiten – jeder mit ganzer Kraft und verbunden gerade mit einer langfristig gesicherten Perspektive für unsere
Landwirtschaft“, ergänzte der Umweltminister. „Die notwendigen gesetzlichen Regelungen werden wir jetzt in den nächsten Monaten wieder gemeinsam erarbeiten. Das wird natürlich noch ein intensiver, auch kritischer Weg, aber die Leitplanken stehen jetzt dafür. Soweit waren wir noch nie! Dabei muss gesichert sein – wenn Landwirtschaft öffentliche Leistung für den Naturschutz erbringt, dann müssen die Landwirte auch dafür bezahlt werden.“

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Ein guter Weg für den Natur- und Artenschutz

Ein guter Weg für den Natur- und Artenschutz – Landvolk will im Dialog Kompromisse erarbeiten

Foto: Landvolk Niedersachsen

„Ich stehe zu dem Niedersächsischen Weg, weil er unter allen denkbaren Optionen die beste Lösung bietet.“ Landvolkpräsident Albert Schulte to Brinke wirbt für den von der Landwirtschaft mit der Landesregierung und Naturschutzverbänden ausgehandelten Rahmenvertrag zu Natur-, Arten- und Gewässerschutz. Das vom Naturschutzbund Niedersachsen (Nabu) und seinem Vorsitzenden Dr. Holger Buschmann zeitgleich auf den Weg gebrachte Volksbegehren bezeichnet er als „irritierend“, zumal der Nabu-Vorsitzende in die Ausarbeitung des Niedersächsischen Weges mit einbezogen war.

Die Verhandlungen zu diesem „Niedersächsischen Weg“, der in dieser Form bundesweit einmalig ist, beruhen auf einer Initiative der Niedersächsischen Landesregierung unter Ministerpräsident Stephan Weil. Landvolkpräsident Albert Schulte to Brinke sowie Gerhard Schwetje als Präsident der Landwirtschaftskammer Niedersachsen haben diesen Weg mit vorgezeichnet, und zwar bereits ein Jahr vor Bekanntwerden der Überlegungen zu einem Volksbegehren. Damals haben die Agrarverbände der Landesregierung den Entwurf einer Rahmenvereinbarung zu einem Diskussionsprozess zum Thema Natur- und Artenschutz vorgelegt. Die Naturschutzverbände haben im Sommer 2019 nachgezogen, der Landesregierung aber einen Katalog mit unmittelbar umsetzbaren gesetzlichen Verschärfungen präsentiert. „Aus unserer Sicht war dies ein sehr kompromissloser Vorstoß, der zudem eindeutig die Handschrift der Grünen trägt“, sagt Schulte to Brinke.

Der „Niedersächsische Weg“ ist ein Rahmenvertrag und hat das Ziel, gemeinsam mit der Landesregierung eine Alternative zu dem von Grünen und Nabu vorgelegten Gesetzesentwürfen zu formulieren. „Vom Grundsatz müssen die Naturschutzverbände von unserer Idee ebenfalls überzeugt sein, da sie die Rahmenvereinbarung mitunterzeichnet haben“, sagt Schulte to Brinke. Unabhängig vom Ergebnis der mittlerweile gestarteten Unterschriftensammlung für ein Volksbegehren wird dem Landtag ein abstimmungsfähiges Gesetzespaket vorliegen. Der „Niedersächsische Weg“ lebt vom Dialog und der Bereitschaft zum Kompromiss. „Wer mehr für Natur-, Arten- und Gewässerschutz erreichen will, muss die Landwirte als Bewirtschafter der Felder und Wiesen mitnehmen und darf nicht einseitig die wirtschaftlichen Spielräume einengen“, unterstreicht Schulte to Brinke. Die Honorierung dieser zusätzlichen Leistungen ist ein fester Bestandteil des Niedersächsischen Weges. (LPD/ 08.06.2020)

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Natur und Landwirtschaft in Balance bringen

Natur und Landwirtschaft in Balance bringenLandwirtschaft begibt sich mit Politik und Naturschutz auf den Niedersächsischen Weg

Albert Schulte to Brinke
Foto: Landvolk Hildesheim

„Wir Landwirte erzeugen gesunde und leckere Nahrungsmittel, das ist unsere wichtigste Aufgabe“, sagt Landvolkpräsident Albert Schulte to Brinke. „Ebenso wichtig ist uns eine intakte Natur mit dem Erhalt vieler Arten und sauberen Gewässern“, fügt er an. Sehr viele Betriebsleiter nehmen dazu an den sogenannten Agrarumweltmaßnahmen teil, aber mindestens ebenso viele Bäuerinnen und Bauern bringen sich auch in freiwilligen Programmen zur Steigerung der Biodiversität ein. „Wir erkennen hier eindeutig den Wunsch der Gesellschaft, noch mehr für den Natur-, Arten- und Gewässerschutz zu leisten. Wir Bäuerinnen und Bauern sind dazu bereit“, betont Schulte to Brinke. Deshalb geht das Landvolk den „Niedersächsischen Weg“ der Landesregierung mit, der dazu eine klare Struktur vorgibt. Noch in diesem Jahr sollen als weitere Etappen auf diesem Weg verschiedene Gesetzesvorschläge ausgearbeitet und in die parlamentarische Beratung gegeben werden. In diese Arbeit wird sich das Landvolk Niedersachsen gestaltend einbringen und aktiv Lösungen für die richtige Balance zwischen Natur und Landwirtschaft vorschlagen.

Schulte to Brinke sieht die Landwirtschaft auf dem „Niedersächsischen Weg“ bereits gut vorangekommen. Der Landvolkpräsident setzt auf den offenen Dialog von Landwirtschaft und Gesellschaft und wünscht sich auf beiden Seiten Kompromissbereitschaft. Als positiven Ansatz wertet er daher die Tatsache, dass mit dem Niedersächsischen Weg erstmals die Finanzierung in das Konzept weiterer Maßnahmen mit einbezogen wurde. „Die Landwirte wollen Leistungen zum Schutz von Natur, Arten und Gewässern erbringen, davon profitiert unsere Umwelt“, schildert der Landvolkpräsident. Die Landwirte erbringen auf dem Niedersächsischen Weg einen echten Mehrwert. Er hat damit eine tatsächlich messbare Wirkung und einen Nutzen für die Umwelt. Das vom Niedersächsischen Naturschutzbund mit dem Grünen beantragte Volksbegehren Artenschutz dagegen falle als reine Absichtsbekundung weit hinter die Ziele des niedersächsischen Weges zurück.

Daher sagt Schulte to Brinke aus tiefer Überzeugung: „Wir haben den richtigen Weg gewählt, und zwar gemeinsam mit Politik und Naturschutzverbänden!“ Alle gemeinsam sieht der Landvolkpräsident jetzt in der Pflicht, den Niedersächsischen Weg mit Gesetzesvorschlägen weiter festzuklopfen. In dieser Gewissheit ermuntert er alle Bäuerinnen und Bauern im Landvolk Niedersachsen, gemeinsam mit dem Verband diesen Weg weiter zu gehen. (LPD/11.06.2020)

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Grünland ist Futterquelle und fördert die Artenvielfalt

Grünland ist Futterquelle und fördert die Artenvielfalt – Niedersächsischer Weg honoriert Leistung der Bauern für Erhalt artenreicher Wiesen

Grünland
Foto: Landvolk Niedersachsen

Nicht nur Insekten und Naturliebhaber, sondern auch Bauern erfreuen sich an blühenden Wiesen und Weiden. Sie sorgen durch eine extensive Bewirtschaftung des Grünlands für dessen Artenreichtum. „Mit dem im Niedersächsischen Weg zugesicherten finanziellen Ausgleich wirtschaftlicher Nachteile, die sich durch den gesetzlichen Biotopschutz und Nutzungsauflagen ergeben, können und wollen wir Landwirte die von der Gesellschaft geforderte Erhaltung des artenreichen Grünlandes sicherstellen“, sagt Dr. Karsten Padeken aus Ovelgönne, Vorsitzender des Kreislandvolkverbandes Wesermarsch. Er bezeichnet daher die Mitgestaltung des Landvolks am Niedersächsischen Weg als den richtigen Schritt für Niedersachsens Landwirtschaft.

Artenreiches Grünland ist in der Regel auf feuchten Standorten zu Hause und reich an Kräutern, aber relativ arm an Gräsern. Es dient vielen Vögeln, Insekten und Amphibien als Lebensraum und Nahrungsquelle. Weil sich die Anzahl und der Zustand artenreicher Wiesen und Weiden über die Jahre verschlechtert haben, strengt die EU-Kommission ein Vertragsverletzungsverfahren gegen die Bundesrepublik Deutschland an. Nach Ansicht der Kommission kommt Deutschland seinen Verpflichtungen nicht nach, magere Flachlandmähwiesen zu schützen und eine Verschlechterung dieses Lebensraumtyps zu verhindern. Mit der Aufnahme des „arten- und strukturreichen Grünlands“ und den „Streuobstwiesen“ als gesetzlich geschützte Biotope setzt Niedersachsen die Forderungen der EU-Kommission um.

In der Regel entsteht artenreiches Grünland über eine extensive Nutzung mit nur wenigen Schnitten als sogenannte ein- bis dreischürige Wiese, als Mähweide oder als Extensivweide mit nur geringen Düngergaben und ohne Erneuerung der Grünlandnarbe. „Diese Bewirtschaftungsformen bringen jedoch für eine ökonomisch tragfähige Milchviehhaltung einen zu geringen Ertrag bei unbefriedigender Qualität des Grünlandaufwuchs“, schildert Karsten Padeken, der zudem Vorsitzender des Grünlandausschusses im Landvolk Niedersachsen ist, das Problem.

Mit zahlreichen vertraglichen Agrarumweltmaßnahmen auf Grünland und mit verschiedenen freiwilligen Initiativen wie dem „Pro-Weideland“-Label engagieren sich Niedersachsens Landwirte bereits für ein Mehr an Artenvielfalt. Sie passen ihre Bewirtschaftung durch Beibehaltung der Weidehaltung freiwillig so an, dass die Vielfältigkeit in den Grünlandregionen und damit der Artenreichtum erhalten wird. Diese angepasste Bewirtschaftung ist für Landwirte oft mit wirtschaftlichen Nachteilen verbunden und kann von kaum einem Bauernhof „so nebenbei“ geleistet werden, führt Padeken weiter aus. Mit dem Niedersächsischen Weg verpflichtet sich das Land, Landwirten alle wirtschaftlichen Nachteile, die aus der erhaltenden Bewirtschaftung artenreicher Wiesen resultieren finanziell auszugleichen. Damit lässt sich eine wirtschaftlich motivierte Intensivierung der Flächen vermeiden. Die Flächen sollen zugleich in der Bewirtschaftung gehalten und eine Aufgabe von Höfen vermieden werden. „Naturschutz kann nur in Zusammenarbeit mit den Landwirten erfolgreich stattfinden“, zeigt der Grünlandexperte die Vorzüge des Niedersächsischen Weges auf. Ohne Bewirtschaftung würde ein Großteil der niedersächsischen Wiesen und Weiden verbuschen und aus Naturschutzsicht deutlich an Wert verlieren. Der niedersächsische Weg soll daher eine landwirtschaftliche Grünlandnutzung ermöglichen, die auch für den Naturschutz wertvoll ist. (LPD/18.06.2020)

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Grünland schützen und Wirtschaftlichkeit sichern

Niedersächsischer Weg will Konflikte beim Grünlandumbruch lösen

Dr. Karsten Padeken Grünland
Dr. Karsten Padeken Foto: Landvolk NIedersachsen

Außergewöhnliche Situationen erfordern außergewöhnliche Reaktionen. Die Dürrejahre 2018 und 2019 sowie Feldmäuse und Tipula-Larven haben das Grünland im Nordwesten Niedersachsens stark geschädigt. „Hier ist zwingend eine Neuansaat erforderlich, damit wir für unsere Kühe und Rinder Grundfutter wie Silage und Heu ernten können“, schildert Dr. Karsten Padeken. Der Vorsitzende im Grünlandausschuss des Landvolkes Niedersachsen, selbst in der Wesermarsch zu Hause, setzt sich dafür ein, dass diese notwendige Flexibilität zukünftig im Niedersächsischen Weg rechtssicher verankert wird. „Das ist auch für den Naturschutz wichtig, da ein intakter Grasbestand einen ökologischen Wert hat. Damit ist der Schutz von Boden und Grünland gesichert, wir Landwirte können unsere Wiesen und Weiden zugleich nachhaltig und wirtschaftlich nutzen“, sagt Padeken. „Wir wollen uns mit dem Naturschutz darüber einig werden, wie unbestimmte Regelungen im Bundesnaturschutzgesetz in Niedersachsen so umgesetzt werden können, dass alle Seiten, die sich Sorgen um die Zukunft von schutzwürdigen Grünlandstandorten machen, davon einen Nutzen haben.

Grünland und Milchwirtschaft sind in den Küstenregionen der zentrale Wirtschaftszweig innerhalb der Landwirtschaft. Wiederkäuer machen den Graswuchs der Flächen erst nutzbar und „veredeln“ ihn zu Milch- und Fleischprodukten. „Mit einem Flächenumfang von etwa 700.000 Hektar ist die Wertschöpfung auf Dauergrünland ein bedeutender Wirtschaftsfaktor in Niedersachsen“, hebt Padeken hervor. Dazu gehören allerdings auch umweltsensible Standorte mit Erosionsgefahr, in Überschwemmungsgebieten, mit hohem Grundwasserstand oder auf Moorböden. Dort darf nach den Grundsätzen der guten fachlichen Praxis zur nachhaltigen Bodenbewirtschaftung keine Umwandlung von Dauergrünland in Ackerland vorgenommen werden. Das Bundesnaturschutzgesetz verwendet hier den Begriff des Grünlandumbruchs. „Die Formulierung führt aber in der Praxis immer wieder zu Problemen in der Interpretation“, schildert Padeken.

„Mit dem Niedersächsischen Weg sind wir auf dem Weg für die Bauern notwendige Bodenbearbeitungsmaßnahmen zum Erhalt einer guten Futtergrundlage zu gewährleisten. Allen Beteiligten geht es darum, Dauergrünland auch auf den umweltsensiblen Standorten zu erhalten“, nennt Karsten Padeken das gemeinsame Ziel des Niedersächsischen Weges. Wenn diese Flächen für sie wirtschaftlich für Kühe, Pferde und Schafe nutzbar bleiben, dann können Niedersachsens Bauern dafür garantieren.

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Schutz von Wiesenbrütern sichern

Niedersächsischer Weg“: Landwirte passen Grünlandbewirtschaftung an

Uferschnepfe Wiesenbrüter
Foto: Pixabay

Die Bestände von Wiesen- und Brutvögeln sind seit vielen Jahren auf niedrigem Niveau. Um bessere Bedingungen für Kiebitz und Co. in der Landschaft zu gestalten, setzt das Landvolk Niedersachsen auf die verabredeten Maßnahmen des „Niedersächsischen Weges“ für eine an die Bedürfnisse der Vögel angepasste Grünlandbewirtschaftung. Wiesenbrüter legen ihre Eier gerne auf landwirtschaftlich genutzte Wiesen und Weiden im von der Landwirtschaft geprägten Offenland. „Ihre Brutzeit im Frühjahr kollidiert aber mit der Zeit, in der wir Landwirte unsere Arbeit auf dem Grünland beginnen. Daher benötigen die Wiesenbrüter eine an ihre Bedürfnisse angepasste Bewirtschaftung, die aber für uns starke wirtschaftliche Nachteile bedeutet“, erklärt Klaus Borde, Vorsitzender des Landvolkkreisverbands Leer gegenüber dem Landvolk-Pressedienst. Borde selbst nimmt bereits seit fast zehn Jahren an Programmen zum Wiesenbrüterschutz teil und freut sich, dass der Kooperationsgedanke mit dem „Niedersächsischen Weg“ in den Vordergrund rückt.

So sieht der „Niedersächsische Weg“ vor, in Wiesenvogelschutzgebieten den Landwirten auf mindestens 80 Prozent ihres Grünlands die Teilnahme an Vertragsnaturschutzprogrammen zu ermöglichen. Zudem wird es für diese Gebiete aber auch gesetzliche Vorgaben geben, die – im Falle einer Nicht-Teilnahme der Landwirte und dem tatsächlichen Vorkommen von Wiesenbrütern – eine an die Bedürfnisse der Vögel angepasste Bewirtschaftung sicherstellen. Niedersachsen verpflichtet sich im Zuge dessen gesetzlich dazu, betroffenen Landwirten alle über das Fachrecht hinausgehenden Einschränkungen zugunsten des Artenschutzes angemessen finanziell auszugleichen.

„Die Verabredungen sind aus Sicht der Landwirte gut umsetzbar, weil sie Freiwilligkeit und regionale Kooperation auf Augenhöhe mit dem Naturschutz deutlich vor ordnungsrechtliche Vorgaben stellen, wie sie der Gesetzesentwurf des Volksbegehrens vorsieht“, sagt Klaus Borde, der auch Mitglied im Grünlandausschuss des Landvolks ist. „Sie ermöglichen den Landwirten, sich aktiv für den Erhalt der Artenvielfalt einzubringen und damit der gesellschaftlichen Forderung für stärkere Anstrengungen im Naturschutz nachzukommen, ohne dabei die betriebswirtschaftlichen Anliegen der Bauernhöfe aus den Augen zu verlieren.“

In vielen Grünlandregionen gibt es bereits gut funktionierende und erfolgreiche Kooperationen zwischen Landwirten und Naturschützern. Die finanziellen Mittel von Land, Bund und EU haben bisher aber nicht gereicht, allen willigen Landwirten die Teilnahme an Wiesenvogelschutzprogrammen zu ermöglichen. Dort, wo sich Landwirte wie Klaus Borde aus Ostfriesland engagieren und Verluste durch die natürlichen Feinde wie Fuchs und Marder vermieden werden können, zeichnen sich für die Bestände von Uferschnepfe und Co. wieder positive Trends ab.

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