Informationen zum Niedersächsischen Weg

Das Landvolk erkennt eindeutig den Wunsch der Gesellschaft, noch mehr für den Natur-, Arten- und Gewässerschutz zu leisten, an. Niedersachsens Bäuerinnen und Bauern sind dazu bereit, deshalb geht das Landvolk den Niedersächsischen Weg der Landesregierung mit. Gemeinsam werden auf diesem Weg verschiedene Gesetzesvorschläge ausgearbeitet und in die parlamentarische Beratung gegeben. In diese Konzepte bringt sich das Landvolk Niedersachsen gestaltend ein und schlägt aktiv Lösungen für die richtige Balance zwischen Natur und Landwirtschaft vor. Weitere Informationen finden sie auch auf unserer Informations-Webseite zum Niedersächsischen Weg unter www.niedersaechsischer-weg.de und hier. Letzte Aktualisierung: 08.09.2020

Inhaltsverzeichnis

Bundesweit einmalige Allianz

Bundesweit einmalige Allianz für Natur-, Arten und Gewässerschutz

Sieben Unterschriften für eine bundesweit einmalige Vereinbarung, die Landesregierung, Landvolk, Landwirtschaftskammer sowie Natur- und Umweltverbände am Montag, 25. Mai, auf einem Bauernhof in Wunstorf getroffen haben – „Der Niedersächsische Weg“. In dem gemeinsamen Vertrag verpflichten sich alle Beteiligten zu großen Anstrengungen bei Natur- und Artenschutz, bei Biodiversität und beim Umgang mit der Ressource Landschaft.

Symbolträchtig wurde die Vereinbarung auf einem Blühstreifen der Familie Widdel am Ortsrand von Mesmerode (Region Hannover) unterzeichnet. Familie Widdel bewirtschaftet ihren landwirtschaftlichen Betrieb bereits seit Generationen.

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil lobte die gemeinsamen Anstrengungen aller Vertragspartner: „Ich freue mich sehr darüber, dass Vertreterinnen und Vertreter von Naturschutzverbänden und Landwirtschaft mit uns gemeinsam den ‚Niedersächsischen Weg‘ hin zu mehr Natur-, Arten- und Gewässerschutz gehen werden. Mein herzlicher Dank gilt allen Beteiligten für die konstruktiven Verhandlungen in den vergangenen Monaten. Dabei ist es gelungen, die unterschiedlichen Interessen in einen ausgewogenen und gegenseitig anerkannten Ausgleich zu bringen.“

Die Landesregierung werde für die Umsetzung der zahlreichen konkreten Schritte „erhebliche finanzielle Mittel zur Verfügung stellen“, versicherte der Ministerpräsident: „Die Umsetzung wird durch eine Erfolgskontrolle und ein Monitoring gesichert. Dieser starke gemeinsame Schulterschluss ist ein großer Fortschritt für den Umweltschutz in Niedersachsen. Auf dieser Grundlage wird es jetzt darum gehen, einen Gesetzentwurf zu erarbeiten, der die Vereinbarung umsetzt.“

Umweltminister Olaf Lies zeigte sich sehr zuversichtlich, dass das Ergebnis der monatelangen Beratungen, die durch das Umwelt- und Landwirtschaftsministerium organisiert wurden, eine gute Grundlage für die Arbeit der nächsten Monate an den Gesetzen und Rahmenbedingungen ist. „Umwelt, Natur- und Artenschutz geht uns alle an und ist vor allem auch eine Verantwortung gegenüber den nachfolgenden Generationen.

Die letzten Jahre waren häufig geprägt von Forderungen vor allem an die Landwirtschaft, aber es mangelte oft an konsequenten und langfristigen Lösungen die eine breite Akzeptanz hatten. Erfolgreich werden wir nur sein, wenn alle Beteiligten ihren Beitrag leisten. Sich gegenseitig als Partner zu betrachten, ist der richtige Weg. Das setzt aber auch voraus, dass man Verständnis füreinander hat“, erklärte Lies bei der Vertragsunterzeichnung.

Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast hob hervor: „Diese Vereinbarung zeigt, dass die Landwirte Teil der Lösung sind. Sie wirtschaften mit und in der Natur, haben das Wissen und den Willen, sich für den Artenschutz einzusetzen. Mit dem Niedersächsischen Weg gelingt es uns erstmals, eine berechtigte Forderung der Gesellschaft einzulösen, unsere Kulturlandschaft zu erhalten. Umweltverbände, Landwirtschaft und Politik wollen sich gemeinsam dieser Aufgabe stellen.“

Eine Überzeugung, die Holger Hennies, Vize-Präsident Landvolk Niedersachsen, nachdrücklich teilt. Er unterzeichnete den Vertrag für das Landvolk. Landvolk-Präsident Albert Schulte to Brinke betonte in einer Stellungnahme: „Wir wissen um die Bedeutung umweltpolitischer Themen und wollen uns aktiv dafür einsetzen, mehr Artenschutz mit der Ernährungssicherheit vereinbar zu machen. Hier werden wir uns als leistungsfähige Landwirtschaft aktiv mit einbringen und gestalten. Deshalb haben wir den Niedersächsischen Weg gewählt. Er mag bei den Landwirten zu Anfang durchaus Bedenken hervorrufen und mit Ängsten verbunden sein. Ich bin mir aber sehr sicher“, ergänzte der Präsident des Landvolks, „dass wir mit diesem ganz neuen Ansatz für unsere Betriebe zweifelsfrei den besseren Weg gewählt haben, um mehr Qualität im Natur- und Artenschutz mit der Landwirtschaft zu erreichen. Zum einen, weil wir den weiteren Prozess jetzt aktiv mitgestalten können und nicht in der Zuschauerrolle verharren müssen, zum anderen, weil die Politik uns zugesagt hat, dass zusätzliche Leistungen unserer Landwirte auch entsprechend bezahlt werden.“

Für Gerhard Schwetje, Präsident der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, hat die Vereinbarung für die Betriebe aus Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Gartenbau und Fischerei „den großen Vorteil, dass sie dadurch genau wissen, was in den nächsten Jahren an Aufgaben, Veränderungen und Ausgleichszahlungen auf sie zukommt – das macht die Anpassung an eine noch mehr auf Artenvielfalt ausgerichtete Wirtschaftsweise viel besser planbar“. Als breit aufgestellte Beratungsorganisation werde die Landwirtschaftskammer die Betriebe „während des gesamten Anpassungsprozesses mit aller Kraft unterstützen.“ Dank der Tatsache, dass die LWK von Anfang an in die Planungen eingebunden worden sei, habe sie maßgeblich dazu beigetragen können, dass neben den Belangen des Natur- und Gewässerschutzes auch die wirtschaftlichen und sozialen Interessen der Betroffenen berücksichtigt würden, betonte Schwetje: „Wichtig ist uns außerdem, dass die Beteiligten des Niedersächsischen Weges für die Umsetzung der Vereinbarung eine enge Abstimmung sowie regelmäßige sach- und fachgerechte Bewertungen beschlossen haben.“

Der Vorsitzende des BUND in Niedersachsen, Heiner Baumgarten, nannte die Vereinbarung „einen Meilenstein für den Natur- und Artenschutz in Niedersachsen“. Enthalten sind nicht nur Verbesserungen im Naturschutz-, Wasser- und Waldgesetz des Landes, sondern auch zusätzliche jährliche Finanzmittel ab 2021 im hohen zweistelligen Millionenbereich für Maßnahmen im Naturschutz sowie neue Förderprogramme, die den Bewirtschafterinnen und Bewirtschaftern Anreize bieten, freiwillig mehr für die Artenvielfalt zu leisten.“ Baumgarten hob zugleich hervor: „Nun muss die Umsetzung konsequent vorangetrieben werden. Dazu zählen insbesondere die Verabschiedung der notwendigen Gesetzesänderungen und die Weiterentwicklung der Förderprogramme zum Insekten- und Wiesenbrüterschutz. Der BUND erwartet konkrete Ergebnisse noch in diesem Jahr und wird das weitere Verfahren kritisch begleiten.“

„Die gemeinsamen und konstruktiven Bemühungen der unterschiedlichen Partner zeigen, dass wir uns inhaltlich annähern können“, lobte auch Holger Buschmann, Landesvorsitzender des NABU in Niedersachsen, die konstruktiven Gespräche. „Der NABU unterzeichnet diese Absichtserklärung sehr gerne, da sie den Rahmen und Startpunkt für einen weiteren Dialog bildet“, ergänzte Buschmann: „Nun wird es darauf ankommen, die einzelnen Punkte dieses Weges möglichst rasch in die Umsetzung zu bekommen. Dazu müssen noch zu formulierende Programme und Gesetze sowie die notwendige finanzielle Unterfütterung von den politischen Gremien beschlossen werden. Ziel muss es sein, den Verlust an Lebensräumen und Arten auch tatsächlich zu stoppen.“

„Mit dem Vertrag verpflichten sich alle, für Natur- und Artenschutz zu arbeiten – jeder mit ganzer Kraft und verbunden gerade mit einer langfristig gesicherten Perspektive für unsere
Landwirtschaft“, ergänzte der Umweltminister. „Die notwendigen gesetzlichen Regelungen werden wir jetzt in den nächsten Monaten wieder gemeinsam erarbeiten. Das wird natürlich noch ein intensiver, auch kritischer Weg, aber die Leitplanken stehen jetzt dafür. Soweit waren wir noch nie! Dabei muss gesichert sein – wenn Landwirtschaft öffentliche Leistung für den Naturschutz erbringt, dann müssen die Landwirte auch dafür bezahlt werden.“

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Ein guter Weg für den Natur- und Artenschutz

Ein guter Weg für den Natur- und Artenschutz – Landvolk will im Dialog Kompromisse erarbeiten

Foto: Landvolk Niedersachsen

„Ich stehe zu dem Niedersächsischen Weg, weil er unter allen denkbaren Optionen die beste Lösung bietet.“ Landvolkpräsident Albert Schulte to Brinke wirbt für den von der Landwirtschaft mit der Landesregierung und Naturschutzverbänden ausgehandelten Rahmenvertrag zu Natur-, Arten- und Gewässerschutz. Das vom Naturschutzbund Niedersachsen (Nabu) und seinem Vorsitzenden Dr. Holger Buschmann zeitgleich auf den Weg gebrachte Volksbegehren bezeichnet er als „irritierend“, zumal der Nabu-Vorsitzende in die Ausarbeitung des Niedersächsischen Weges mit einbezogen war.

Die Verhandlungen zu diesem „Niedersächsischen Weg“, der in dieser Form bundesweit einmalig ist, beruhen auf einer Initiative der Niedersächsischen Landesregierung unter Ministerpräsident Stephan Weil. Landvolkpräsident Albert Schulte to Brinke sowie Gerhard Schwetje als Präsident der Landwirtschaftskammer Niedersachsen haben diesen Weg mit vorgezeichnet, und zwar bereits ein Jahr vor Bekanntwerden der Überlegungen zu einem Volksbegehren. Damals haben die Agrarverbände der Landesregierung den Entwurf einer Rahmenvereinbarung zu einem Diskussionsprozess zum Thema Natur- und Artenschutz vorgelegt. Die Naturschutzverbände haben im Sommer 2019 nachgezogen, der Landesregierung aber einen Katalog mit unmittelbar umsetzbaren gesetzlichen Verschärfungen präsentiert. „Aus unserer Sicht war dies ein sehr kompromissloser Vorstoß, der zudem eindeutig die Handschrift der Grünen trägt“, sagt Schulte to Brinke.

Der „Niedersächsische Weg“ ist ein Rahmenvertrag und hat das Ziel, gemeinsam mit der Landesregierung eine Alternative zu dem von Grünen und Nabu vorgelegten Gesetzesentwürfen zu formulieren. „Vom Grundsatz müssen die Naturschutzverbände von unserer Idee ebenfalls überzeugt sein, da sie die Rahmenvereinbarung mitunterzeichnet haben“, sagt Schulte to Brinke. Unabhängig vom Ergebnis der mittlerweile gestarteten Unterschriftensammlung für ein Volksbegehren wird dem Landtag ein abstimmungsfähiges Gesetzespaket vorliegen. Der „Niedersächsische Weg“ lebt vom Dialog und der Bereitschaft zum Kompromiss. „Wer mehr für Natur-, Arten- und Gewässerschutz erreichen will, muss die Landwirte als Bewirtschafter der Felder und Wiesen mitnehmen und darf nicht einseitig die wirtschaftlichen Spielräume einengen“, unterstreicht Schulte to Brinke. Die Honorierung dieser zusätzlichen Leistungen ist ein fester Bestandteil des Niedersächsischen Weges. (LPD/ 08.06.2020)

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Natur und Landwirtschaft in Balance bringen

Natur und Landwirtschaft in Balance bringenLandwirtschaft begibt sich mit Politik und Naturschutz auf den Niedersächsischen Weg

Albert Schulte to Brinke
Foto: Landvolk Hildesheim

„Wir Landwirte erzeugen gesunde und leckere Nahrungsmittel, das ist unsere wichtigste Aufgabe“, sagt Landvolkpräsident Albert Schulte to Brinke. „Ebenso wichtig ist uns eine intakte Natur mit dem Erhalt vieler Arten und sauberen Gewässern“, fügt er an. Sehr viele Betriebsleiter nehmen dazu an den sogenannten Agrarumweltmaßnahmen teil, aber mindestens ebenso viele Bäuerinnen und Bauern bringen sich auch in freiwilligen Programmen zur Steigerung der Biodiversität ein. „Wir erkennen hier eindeutig den Wunsch der Gesellschaft, noch mehr für den Natur-, Arten- und Gewässerschutz zu leisten. Wir Bäuerinnen und Bauern sind dazu bereit“, betont Schulte to Brinke. Deshalb geht das Landvolk den „Niedersächsischen Weg“ der Landesregierung mit, der dazu eine klare Struktur vorgibt. Noch in diesem Jahr sollen als weitere Etappen auf diesem Weg verschiedene Gesetzesvorschläge ausgearbeitet und in die parlamentarische Beratung gegeben werden. In diese Arbeit wird sich das Landvolk Niedersachsen gestaltend einbringen und aktiv Lösungen für die richtige Balance zwischen Natur und Landwirtschaft vorschlagen.

Schulte to Brinke sieht die Landwirtschaft auf dem „Niedersächsischen Weg“ bereits gut vorangekommen. Der Landvolkpräsident setzt auf den offenen Dialog von Landwirtschaft und Gesellschaft und wünscht sich auf beiden Seiten Kompromissbereitschaft. Als positiven Ansatz wertet er daher die Tatsache, dass mit dem Niedersächsischen Weg erstmals die Finanzierung in das Konzept weiterer Maßnahmen mit einbezogen wurde. „Die Landwirte wollen Leistungen zum Schutz von Natur, Arten und Gewässern erbringen, davon profitiert unsere Umwelt“, schildert der Landvolkpräsident. Die Landwirte erbringen auf dem Niedersächsischen Weg einen echten Mehrwert. Er hat damit eine tatsächlich messbare Wirkung und einen Nutzen für die Umwelt. Das vom Niedersächsischen Naturschutzbund mit dem Grünen beantragte Volksbegehren Artenschutz dagegen falle als reine Absichtsbekundung weit hinter die Ziele des niedersächsischen Weges zurück.

Daher sagt Schulte to Brinke aus tiefer Überzeugung: „Wir haben den richtigen Weg gewählt, und zwar gemeinsam mit Politik und Naturschutzverbänden!“ Alle gemeinsam sieht der Landvolkpräsident jetzt in der Pflicht, den Niedersächsischen Weg mit Gesetzesvorschlägen weiter festzuklopfen. In dieser Gewissheit ermuntert er alle Bäuerinnen und Bauern im Landvolk Niedersachsen, gemeinsam mit dem Verband diesen Weg weiter zu gehen. (LPD/11.06.2020)

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Grünland ist Futterquelle und fördert die Artenvielfalt

Grünland ist Futterquelle und fördert die Artenvielfalt – Niedersächsischer Weg honoriert Leistung der Bauern für Erhalt artenreicher Wiesen

Grünland
Foto: Landvolk Niedersachsen

Nicht nur Insekten und Naturliebhaber, sondern auch Bauern erfreuen sich an blühenden Wiesen und Weiden. Sie sorgen durch eine extensive Bewirtschaftung des Grünlands für dessen Artenreichtum. „Mit dem im Niedersächsischen Weg zugesicherten finanziellen Ausgleich wirtschaftlicher Nachteile, die sich durch den gesetzlichen Biotopschutz und Nutzungsauflagen ergeben, können und wollen wir Landwirte die von der Gesellschaft geforderte Erhaltung des artenreichen Grünlandes sicherstellen“, sagt Dr. Karsten Padeken aus Ovelgönne, Vorsitzender des Kreislandvolkverbandes Wesermarsch. Er bezeichnet daher die Mitgestaltung des Landvolks am Niedersächsischen Weg als den richtigen Schritt für Niedersachsens Landwirtschaft.

Artenreiches Grünland ist in der Regel auf feuchten Standorten zu Hause und reich an Kräutern, aber relativ arm an Gräsern. Es dient vielen Vögeln, Insekten und Amphibien als Lebensraum und Nahrungsquelle. Weil sich die Anzahl und der Zustand artenreicher Wiesen und Weiden über die Jahre verschlechtert haben, strengt die EU-Kommission ein Vertragsverletzungsverfahren gegen die Bundesrepublik Deutschland an. Nach Ansicht der Kommission kommt Deutschland seinen Verpflichtungen nicht nach, magere Flachlandmähwiesen zu schützen und eine Verschlechterung dieses Lebensraumtyps zu verhindern. Mit der Aufnahme des „arten- und strukturreichen Grünlands“ und den „Streuobstwiesen“ als gesetzlich geschützte Biotope setzt Niedersachsen die Forderungen der EU-Kommission um.

In der Regel entsteht artenreiches Grünland über eine extensive Nutzung mit nur wenigen Schnitten als sogenannte ein- bis dreischürige Wiese, als Mähweide oder als Extensivweide mit nur geringen Düngergaben und ohne Erneuerung der Grünlandnarbe. „Diese Bewirtschaftungsformen bringen jedoch für eine ökonomisch tragfähige Milchviehhaltung einen zu geringen Ertrag bei unbefriedigender Qualität des Grünlandaufwuchs“, schildert Karsten Padeken, der zudem Vorsitzender des Grünlandausschusses im Landvolk Niedersachsen ist, das Problem.

Mit zahlreichen vertraglichen Agrarumweltmaßnahmen auf Grünland und mit verschiedenen freiwilligen Initiativen wie dem „Pro-Weideland“-Label engagieren sich Niedersachsens Landwirte bereits für ein Mehr an Artenvielfalt. Sie passen ihre Bewirtschaftung durch Beibehaltung der Weidehaltung freiwillig so an, dass die Vielfältigkeit in den Grünlandregionen und damit der Artenreichtum erhalten wird. Diese angepasste Bewirtschaftung ist für Landwirte oft mit wirtschaftlichen Nachteilen verbunden und kann von kaum einem Bauernhof „so nebenbei“ geleistet werden, führt Padeken weiter aus. Mit dem Niedersächsischen Weg verpflichtet sich das Land, Landwirten alle wirtschaftlichen Nachteile, die aus der erhaltenden Bewirtschaftung artenreicher Wiesen resultieren finanziell auszugleichen. Damit lässt sich eine wirtschaftlich motivierte Intensivierung der Flächen vermeiden. Die Flächen sollen zugleich in der Bewirtschaftung gehalten und eine Aufgabe von Höfen vermieden werden. „Naturschutz kann nur in Zusammenarbeit mit den Landwirten erfolgreich stattfinden“, zeigt der Grünlandexperte die Vorzüge des Niedersächsischen Weges auf. Ohne Bewirtschaftung würde ein Großteil der niedersächsischen Wiesen und Weiden verbuschen und aus Naturschutzsicht deutlich an Wert verlieren. Der niedersächsische Weg soll daher eine landwirtschaftliche Grünlandnutzung ermöglichen, die auch für den Naturschutz wertvoll ist. (LPD/18.06.2020)

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Grünland schützen und Wirtschaftlichkeit sichern

Niedersächsischer Weg will Konflikte beim Grünlandumbruch lösen

Dr. Karsten Padeken Grünland
Dr. Karsten Padeken Foto: Landvolk NIedersachsen

Außergewöhnliche Situationen erfordern außergewöhnliche Reaktionen. Die Dürrejahre 2018 und 2019 sowie Feldmäuse und Tipula-Larven haben das Grünland im Nordwesten Niedersachsens stark geschädigt. „Hier ist zwingend eine Neuansaat erforderlich, damit wir für unsere Kühe und Rinder Grundfutter wie Silage und Heu ernten können“, schildert Dr. Karsten Padeken. Der Vorsitzende im Grünlandausschuss des Landvolkes Niedersachsen, selbst in der Wesermarsch zu Hause, setzt sich dafür ein, dass diese notwendige Flexibilität zukünftig im Niedersächsischen Weg rechtssicher verankert wird. „Das ist auch für den Naturschutz wichtig, da ein intakter Grasbestand einen ökologischen Wert hat. Damit ist der Schutz von Boden und Grünland gesichert, wir Landwirte können unsere Wiesen und Weiden zugleich nachhaltig und wirtschaftlich nutzen“, sagt Padeken. „Wir wollen uns mit dem Naturschutz darüber einig werden, wie unbestimmte Regelungen im Bundesnaturschutzgesetz in Niedersachsen so umgesetzt werden können, dass alle Seiten, die sich Sorgen um die Zukunft von schutzwürdigen Grünlandstandorten machen, davon einen Nutzen haben.

Grünland und Milchwirtschaft sind in den Küstenregionen der zentrale Wirtschaftszweig innerhalb der Landwirtschaft. Wiederkäuer machen den Graswuchs der Flächen erst nutzbar und „veredeln“ ihn zu Milch- und Fleischprodukten. „Mit einem Flächenumfang von etwa 700.000 Hektar ist die Wertschöpfung auf Dauergrünland ein bedeutender Wirtschaftsfaktor in Niedersachsen“, hebt Padeken hervor. Dazu gehören allerdings auch umweltsensible Standorte mit Erosionsgefahr, in Überschwemmungsgebieten, mit hohem Grundwasserstand oder auf Moorböden. Dort darf nach den Grundsätzen der guten fachlichen Praxis zur nachhaltigen Bodenbewirtschaftung keine Umwandlung von Dauergrünland in Ackerland vorgenommen werden. Das Bundesnaturschutzgesetz verwendet hier den Begriff des Grünlandumbruchs. „Die Formulierung führt aber in der Praxis immer wieder zu Problemen in der Interpretation“, schildert Padeken.

„Mit dem Niedersächsischen Weg sind wir auf dem Weg für die Bauern notwendige Bodenbearbeitungsmaßnahmen zum Erhalt einer guten Futtergrundlage zu gewährleisten. Allen Beteiligten geht es darum, Dauergrünland auch auf den umweltsensiblen Standorten zu erhalten“, nennt Karsten Padeken das gemeinsame Ziel des Niedersächsischen Weges. Wenn diese Flächen für sie wirtschaftlich für Kühe, Pferde und Schafe nutzbar bleiben, dann können Niedersachsens Bauern dafür garantieren.

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Schutz von Wiesenbrütern sichern

Niedersächsischer Weg“: Landwirte passen Grünlandbewirtschaftung an

Uferschnepfe Wiesenbrüter
Foto: Pixabay

Die Bestände von Wiesen- und Brutvögeln sind seit vielen Jahren auf niedrigem Niveau. Um bessere Bedingungen für Kiebitz und Co. in der Landschaft zu gestalten, setzt das Landvolk Niedersachsen auf die verabredeten Maßnahmen des „Niedersächsischen Weges“ für eine an die Bedürfnisse der Vögel angepasste Grünlandbewirtschaftung. Wiesenbrüter legen ihre Eier gerne auf landwirtschaftlich genutzte Wiesen und Weiden im von der Landwirtschaft geprägten Offenland. „Ihre Brutzeit im Frühjahr kollidiert aber mit der Zeit, in der wir Landwirte unsere Arbeit auf dem Grünland beginnen. Daher benötigen die Wiesenbrüter eine an ihre Bedürfnisse angepasste Bewirtschaftung, die aber für uns starke wirtschaftliche Nachteile bedeutet“, erklärt Klaus Borde, Vorsitzender des Landvolkkreisverbands Leer gegenüber dem Landvolk-Pressedienst. Borde selbst nimmt bereits seit fast zehn Jahren an Programmen zum Wiesenbrüterschutz teil und freut sich, dass der Kooperationsgedanke mit dem „Niedersächsischen Weg“ in den Vordergrund rückt.

So sieht der „Niedersächsische Weg“ vor, in Wiesenvogelschutzgebieten den Landwirten auf mindestens 80 Prozent ihres Grünlands die Teilnahme an Vertragsnaturschutzprogrammen zu ermöglichen. Zudem wird es für diese Gebiete aber auch gesetzliche Vorgaben geben, die – im Falle einer Nicht-Teilnahme der Landwirte und dem tatsächlichen Vorkommen von Wiesenbrütern – eine an die Bedürfnisse der Vögel angepasste Bewirtschaftung sicherstellen. Niedersachsen verpflichtet sich im Zuge dessen gesetzlich dazu, betroffenen Landwirten alle über das Fachrecht hinausgehenden Einschränkungen zugunsten des Artenschutzes angemessen finanziell auszugleichen.

„Die Verabredungen sind aus Sicht der Landwirte gut umsetzbar, weil sie Freiwilligkeit und regionale Kooperation auf Augenhöhe mit dem Naturschutz deutlich vor ordnungsrechtliche Vorgaben stellen, wie sie der Gesetzesentwurf des Volksbegehrens vorsieht“, sagt Klaus Borde, der auch Mitglied im Grünlandausschuss des Landvolks ist. „Sie ermöglichen den Landwirten, sich aktiv für den Erhalt der Artenvielfalt einzubringen und damit der gesellschaftlichen Forderung für stärkere Anstrengungen im Naturschutz nachzukommen, ohne dabei die betriebswirtschaftlichen Anliegen der Bauernhöfe aus den Augen zu verlieren.“

In vielen Grünlandregionen gibt es bereits gut funktionierende und erfolgreiche Kooperationen zwischen Landwirten und Naturschützern. Die finanziellen Mittel von Land, Bund und EU haben bisher aber nicht gereicht, allen willigen Landwirten die Teilnahme an Wiesenvogelschutzprogrammen zu ermöglichen. Dort, wo sich Landwirte wie Klaus Borde aus Ostfriesland engagieren und Verluste durch die natürlichen Feinde wie Fuchs und Marder vermieden werden können, zeichnen sich für die Bestände von Uferschnepfe und Co. wieder positive Trends ab.

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Wegraine blühen farbenfroh und locken Insekten an

Niedersächsischer Weg: Pflegekonzepte fördern Artenvielfalt am Wegesrand

Cord Lattwesen

Klatschmohn, Kornblumen und Kamille schlängeln sich im Moment durch die Gräser und Brennnesseln am Wegesrand und verwandeln die Wegraine in blühende Kleinode. Damit sind die Flächen zwischen Acker und Weg ein wichtiger Lebensraum für Insekten und Niederwild wie Hasen und Rehe sowie Vögel. Besonders für die Insekten sind Höhenunterschiede wichtig, damit sie die Pflanzen gut anfliegen können, schreibt der Landvolk-Pressedienst. Die Wegraine seien als Stufe zwischen Weg und Kulturpflanze daher prädestiniert für ein reiches Vorkommen von Biene, Falter und Co. „Es hilft keinem, wenn am Feldrand ein englischer Rasen angelegt wird“, sagt Jörn Ehlers, Vizepräsident im Landvolk Niedersachsen. Naturbelassene Wegeseitenränder seien vielmehr wichtige Biotope, die der Natur Rückzugsmöglichkeiten eröffnen.

Die Landwirte freuen sich, mit geringem Aufwand etwas für die Artenvielfalt tun zu können. Denn bei der Pflege von Wegrändern gilt der Grundsatz: „Weniger ist mehr.“ Je nach Standort ermöglichen verschiedene Pflegekonzepte einen bunten und vielfältigen Bewuchs der Wegraine. „Wir haben mit der Jagdgenossenschaft vereinbart, dass die Wegeseitenränder nur abwechselnd abgeschlegelt werden, nie gleichzeitig“, sagt Cord Lattwesen, Landwirt und Bürgermeister der Gemeinde Hohnhorst. Die Arbeiten sollen sich zudem über mehrere Wochen hinziehen und einige Streckenabschnitte sogar ganz liegen gelassen werden.

Wenig genutzte Grünwege wurden in der Gemeinde Hohnhorst daher sogar ganz aus der normalen Pflege herausgenommen. Dort haben die Jagdgenossen Blühstreifen angelegt, die als Lebensräume gut angenommen werden. „Auch für Wanderer und Spaziergänger bieten die Wege nun ein deutlich interessanteres Erscheinungsbild“, freut sich Lattwesen. In der Gemeinde sei man nun dabei, ein ganzheitliches Konzept zur Pflege der Wegeseitenränder zu erarbeiten.

Unterstützung bekommen die Gemeinden in Niedersachsen dabei von der Stiftung Kulturlandpflege und vom Landvolk Niedersachsen, die gemeinsam mit den Eigentümern und Flächennutzern die Wegränder aktiv weiterentwickeln wollen. Geplant sind daher auch sogenannte „Wegeschauen“ in den Kreisverbänden, bei denen mit den Landwirten vor Ort geeignete Maßnahmen zur Pflege der Wegränder besprochen werden. Damit sich in Zukunft in allen Regionen Niedersachsens Spaziergänger und vor allem Flora und Fauna an den blühenden Wegrainen erfreuen können. Weitere Informationen finden Sie unter www.niedersaechsischer-weg.de und www.stiftungkulturlandpflege.de

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Landwirte legen fleißig Blühstreifen an

Niedersächsischer Weg: Über Agrarumweltmaßnahmen Biotopverbund voranbringen

Blühstreifen
Foto: Landvolk Niedersachsen

Das Anlegen von Blühflächen und -streifen steht symbolisch für das Engagement der Landwirte im Artenschutz. Im vergangenen Jahr haben Niedersachsens Bauern auf mehr als 25.000 Hektar Samen für Wildkräuter und Blühpflanzen ausgesät. An diesen Flächen erfreuen sich wegen der farbenfroh leuchtenden Blütenpracht sowohl Naturliebhaber als auch die Insekten, die hier Lebensraum und einen „gedeckten Tisch“ voller Pollen und Nektar finden. Die Blühstreifen werden dabei meist mit Hilfe der EU-Agrarförderung angelegt. „Weil wir als Landwirte gerne etwas für den Erhalt der Artenvielfalt tun möchten ist es gut, dass durch die EU-Agrarförderung die Anlage solcher Blühflächen bezahlt wird, denn unser Geld verdienen wir normalerweise mit dem Anbau von Weizen, Zuckerrüben oder Mais, nicht aber mit Kornblume oder Phacelia“, betont Landvolk-Vizepräsident Dr. Holger Hennies. Die niedersächsischen Bauern haben, seitdem es diese Angebote in der Förderung gibt, jedes Jahr ihre angelegte Blühfläche vergrößert. Das liegt laut Hennies zum einen daran, dass das Bewusstsein seitens der Landwirte für den Artenschutz größer geworden ist und zum anderen, dass mehr Fördermittel zur Verfügung gestellt worden sind.

Hennies lobt in diesem Zusammenhang die Vereinbarungen zum Artenschutz im Niedersächsischen Weg, der die Einrichtung eines landesweiten Biotopverbunds vorsieht. In dem Verbund werden diese Maßnahmen, wie auf Äckern angelegte Blühflächen, mitberücksichtigt. Der Landvolk-Vizepräsident pocht aber dabei auf einen effektiveren und unbürokratischeren Einsatz der bestehenden Fördergelder, damit Blühflächen noch gezielter zur Vernetzung wertvoller Biotope angelegt werden. „Insekten, Niederwild und auch Vögel brauchen diese sogenannten Trittsteine in unserer agrarisch geprägten Kulturlandschaft, um Nahrung zu finden und sich zu vermehren. Im besten Fall geht das mit regio-nal angepassten Pflanzen und durch eine Planung vor Ort – das lässt das aktuelle EU-Fördersystem aber noch nicht zu“, gibt Hennies zu bedenken.

Die Landwirte in Südniedersachsen haben sich daher ein anderes Finanzierungsmodell ausgedacht: Mit einer sogenannten Blühpatenschaft „übernehmen“ Privatleute und Firmen Flächen, damit Landwirte auf diesen Äckern Wildkräuter und -blumen anpflanzen können. Allein in diesem Jahr haben der Landvolk-Kreisverband Göttingen und seine Mitglieder damit schon 88 Blühpatenschaften auf fast 23 Hektar Fläche vergeben. Auf einer interaktiven Karte finden die Paten „ihren“ Blühstreifen und können sich mit einem Foto präsentieren. „Diese Idee kommt richtig gut an“, bilanziert Ackerbauer und stellvertretender Vorsitzender des Landvolks Göttingen, Markus Gerhardy. „Wir werden das Projekt auf jeden Fall weiter bekannt machen – ganz im Sinne des Niedersächsischen Weges.“ 

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Reeller Mehrwert für die Natur

Niedersächsischer Weg: Balance zwischen Artenschutz und Lebensmittelerzeugung

Foto: Landvolk Niedersachsen

„Als leistungsfähige Landwirtschaft bringen wir uns in Niedersachsen für mehr Natur-, Arten- und Gewässerschutz ein und wollen aktiv mitgestalten. Deshalb haben wir den Niedersächsischen Weg gewählt“, sagt Albert Schulte to Brinke. Dem Landvolkpräsidenten ist klar, dass diese Vereinbarung zwischen dem niedersächsischen Landwirtschafts- und dem Umweltministerium, der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, dem Nabu und dem BUND sowie dem niedersächsischen Landesbauernverband bei den Landwirten zu Anfang durchaus Bedenken hervorgerufen hat und mit Ängsten verbunden war. „Wir haben mit diesem ganz neuen Ansatz für unsere Betriebe aber zweifelsfrei den besseren Weg gewählt, um mehr Qualität im Natur- und Artenschutz mit der Landwirtschaft zu erreichen“, betont er. „So können wir den weiteren Prozess aktiv mitgestalten. Für uns Bauern ist es wichtig, dass die Politik zugesagt hat, zusätzliche Leistungen der Landwirte auch entsprechend zu bezahlen.“ Schulte to Brinke betont: „Wir müssen zwischen dem Artenschutz und der als überaus relevant erkannten heimischen Lebensmittelerzeugung eine neue und gesunde Balance finden.“

Landwirte engagieren sich gerne für den Erhalt der Artenvielfalt, denn schließlich leben sie mit und von der Natur. Zu den zahlreichen freiwilligen Maßnahmen kommen auch jene, die über die EU-Agrarförderung bezahlt werden, wie beispielsweise Blühflächen. „Das ist für uns wichtig, denn unser Geld verdienen wir normalerweise mit dem Anbau von Weizen, Zuckerrüben oder Mais, nicht aber mit Kornblume oder Phacelia“, betont hierzu auch Landvolk-Vizepräsident Dr. Holger Hennies. Niedersachsens Bauern haben, seitdem es diese Angebote in der Förderung gibt, jedes Jahr ihre angelegte Blühfläche vergrößert. Das liegt laut Hennies auch daran, dass das Bewusstsein seitens der Landwirte für den Artenschutz größer geworden ist und dass mehr Fördermittel zur Verfügung gestellt werden. Der Niedersächsische Weg sieht hier die Einrichtung eines landesweiten Biotopverbunds vor.

Ganz wichtig für das Landvolk ist, dass der Niedersächsische Weg – entgegen oftmals anderslautender Formulierungen – nach der gemeinsamen Ausgestaltung der Vereinbarung in konkreten Gesetzen, die einen finanziellen Ausgleich garantieren, münden wird. Aktuell wird in den Arbeitsgruppen „Wasser“, „Umwelt“ und „Landwirtschaft/Wald“ der größte gemeinsame Nenner erarbeitet. Bis zum Herbst sollen die Gesetzesvorschläge vorliegen und dann in die parlamentarische Beratung gehen.

Das vom Niedersächsischen Naturschutzbund (Nabu) und Grünen beantragte Volksbegehren Artenschutz dagegen enthält für die Landwirtschaft in der Summe nicht leistbare Auflagen. „Auch wenn Nabu und Grüne immer wieder betonen, dass die betroffenen Landwirte auch in ihrem Gesetzesentwurf einen finanziellen Ausgleich erhalten sollen, fällt dies als reine Absichtsbekundung weit hinter den Vereinbarungen des Niedersächsischen Weges zurück“, zeigt Schulte to Brinke den wichtigen Unterschied auf.

Dass der Nabu trotz seiner Unterschrift unter den Niedersächsischen Weg parallel Unterschriften für das Volksbegehren sammelt, stößt deshalb bei vielen Landwirten auf Unverständnis. „Der Nabu verhält sich wie ein frisch verlobter Bräutigam, der trotzdem noch auf allen Dating-Portalen aktiv ist“, zieht Landvolk-Vizepräsident Ulrich Löhr den Vergleich. Niedersachsens Landwirte seien bereit, sich noch mehr für Arten- und Biotopschutz zu engagieren, aber man müsse der Landwirtschaft auch die Luft zum Atmen lassen.

„Gemeinsam und miteinander statt Extratouren und offene Hintertürchen muss deshalb das Motto lauten. Nur dann bekommen wir mit den verbindlichen Gesetzen des Niedersächsischen Weges, wo alle zuvor Kompromisse eingehen müssen, einen wirklichen Mehrwert für unsere Natur in Niedersachsen – und unsere Landwirte können weiter aktiv in und mit der Natur wirtschaften“, erklärt Schulte to Brinke abschließend.

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Arbeit am „Niedersächsischen Weg“ nimmt Fahrt auf

Niedersächsischer Weg: Arbeit am „Niedersächsischen Weg“ nimmt Fahrt auf

Mit dem Niedersächsischen Weg haben Landesregierung, Landwirtschaft und Naturschutz eine Vereinbarung über mehr Naturschutz und Artenvielfalt abgeschlossen. Ziel ist es, den drohenden Artenschwund zu stoppen und mit einem fairen Ausgleich für die Landwirtschaft Lebensräume für Tiere und Pflanzen zu erhalten. Die breite Allianz führt in eigens eingerichteten Arbeitsgruppen konstruktive Gespräche, die zügig mit für alle erfolgreichen Ergebnissen abgeschlossen werden sollen. Ziel der Vertragspartner ist es derzeit vor allem, die notwendigen Gesetzesänderungen zeitnah dem Landtag zur Beratung vorzulegen.

Bei der Bewirtschaftung von Feldern, die neben Gewässern verlaufen, haben die Partner vereinbart, einen breiten Randstreifen stehen zu lassen, wo sich Natur entwickeln kann. Dieser bemisst sich an der Bedeutung des Gewässers 10, 5 oder 3 Meter breit. Im Gegenzug sollen die Betriebe eine faire Bezahlung für die daraus resultierenden Mindererträge erhalten. Zur Zeit wird darüber beraten, in welchen gewässerreichen Gebieten Ausnahmen an Gräben und Vorflutern zugelassen werden können, damit die landwirtschaftlichen Betriebe nicht übermäßig belastet werden. Diese Ergebnisse sollen zügig ins Niedersächsische Wassergesetz einfließen. Durch verschiedene Maßnahmen werden die Landesforsten der Sicherung und Entwicklung des Landeswaldes als Lebensraum für wildlebende Tiere und wildwachsende Pflanzen in besonderer Weise Rechnung tragen. Weiterhin ist es konsens, im Naturschutzgesetz den Schutz von weiteren wertvollen Lebensräumen (artenreiches mesophiles Grünland, artenreiches Feucht- und Nassgrünland sowie Streuobstwiesen) festzuschreiben. Weiterhin ist es Ziel, dass die Arbeitsgruppen Eckpunkte für den Schutz von Wiesenvögeln und das Aktionsprogramm Insektenschutz ausarbeiten.

Umweltminister Olaf Lies: „Der Niedersächsische Weg ist ein ambitioniertes Projekt, das wir als Politik gemeinsam mit Naturschutz und Landwirtschaft gestalten wollen. Der Diskurs in den Arbeitsgruppen wird auf Augenhöhe, allerdings auch hart in der Sache geführt. Dennoch bleiben wir bei einem fairen Umgang miteinander. Mit dem Niedersächsischen Weg haben wir einen anerkannten Kompromiss gefunden, mit dem alle Partner zufrieden sind und der Naturschutz und Artenschutz konsequent nach vorne bringt und rechtlich und finanziell absichert.“

Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast: „Ich bin stolz auf unsere Vereinbarung. Der Niedersächsische Weg ist ein wichtiger Baustein für einen Gesellschaftsvertrag. Und er zeigt: Landwirte sind Teil der Lösung und erhalten dafür auch eine angemessene Entlohnung.“

BUND Vorsitzender Heiner Baumgarten: „Mit der Umsetzung der Vereinbarung werden wir erhebliche Verbesserungen im Naturschutz-, Wasser- und Waldgesetz erreichen. Mehr Schutz für artenreiches Grünland, ausreichend breite Schutzstreifen für unsere Gewässer und eine deutliche Reduktion von Pestiziden haben wir seit Jahren gefordert. Nun gelingt es uns, dies im Konsens mit Politik und Landwirtschaft umzusetzen. Gleichzeitig bringen wir gemeinsam mit den Partnern zusätzliche Förderprogramme in Millionenhöhe für den Schutz unserer Insekten und Wiesenbrüter auf den Weg. Das ist ein Meilenstein für den Naturschutz in Niedersachsen. Der BUND wird sich mit aller Kraft für den Erfolg der Allianz für Artenschutz einsetzen.“

NABU-Vorsitzender Holger Buschmann: „Vor dem Hintergrund des dramatischen Artenschwundes ist es nun an der Zeit, endlich die ersten Schritte zu einer Rettung unserer Lebensgrundlagen zu gehen. Der Niedersächsische Weg bietet hierzu eine Gelegenheit, die nicht vergeben werden sollte. Auch wenn es noch ein weiter Weg von der Vereinbarung zur Umsetzung zu sein scheint, scheinen alle Akteure gewillt zu sein, den Weg zu einem Erfolg zu machen. Wichtig ist, dass wir es endlich gemeinsam schaffen, eine naturverträgliche landwirtschaftliche und forstliche Nutzung besser zu entlohnen.“

Gerhard Schwetje, Präsident der Landwirtschaftskammer Niedersachsen: „Wir haben alle entscheidenden Akteure an einem Tisch und damit die große Chance, die Vereinbarkeit von erfolgreicher Landwirtschaft und verantwortungsvollem Naturschutz langfristig auf den Weg zu bringen. Nicht nur die Gesetzesänderungen sind in einer konkreten Umsetzungsphase, sondern auch der finanzielle Ausgleich für die Betriebe, die sich künftig stärker für Artenvielfalt einsetzen.“ Mit ihrem hohen Sachverstand in der betrieblichen Beratung könne die Landwirtschaftskammer Niedersachsen dazu beitragen, Zielkonflikte zu vermeiden.

Albert Schulte to Brinke, Präsident des Landvolk Niedersachsen: Als leistungsfähige Landwirtschaft bringen wir uns aktiv für mehr Natur-, Arten- und Gewässerschutz ein. Deshalb haben wir den Niedersächsischen Weg gewählt. Die Vereinbarung hat bei den Landwirten zu Anfang durchaus Bedenken hervorgerufen. Wir können mit dem Niedersächsischen Weg aber den weiteren Prozess mitgestalten. Für uns Bauern ist es wichtig, dass die Politik zugesagt hat, zusätzliche Leistungen der Landwirte auch entsprechend zu bezahlen. Wir müssen zwischen dem Artenschutz und der als überaus relevant erkannten heimischen Lebensmittelerzeugung eine neue und gesunde Balance finden. Ich wünsche mir dazu einen breiten gesellschaftlichen Konsens.“

Die Arbeitsgruppen, die den Niedersächsischen Weg ausgestalten, tagen in regelmäßigen engen Abständen. Bei Fragen, die sich im Dialog in den Arbeitsgruppen nicht lösen lassen, entscheidet der Lenkungskreis. In diesem sind alle Partner, die den NDS Weg unterschrieben haben, vertreten.

Der Niedersächsische Weg ist eine in dieser Form bundesweit einmalige Vereinbarung zwischen Landwirtschaft, Naturschutz und Politik. Der Vertrag verpflichtet die Akteure, konkrete Maßnahmen für einen verbesserten Natur-, Arten- und Gewässerschutz umzusetzen. Unterzeichner der Vereinbarung sind Ministerpräsident Stephan Weil, Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast, Umweltminister Olaf Lies, Albert Schulte to Brinke, Präsident des Landvolk Niedersachsen, Gerhard Schwetje, Präsident der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, Heiner Baumgarten, Vorsitzender des BUND Niedersachsen und Dr. Holger Buschmann, Vorsitzender des NABU Niedersachsen. Es wurde eine Agenda aus 15 Punkten vereinbart, jetzt werden in verschiedenen Expertengruppen die konkreten Maßnahmen verhandelt.

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An der Küste wird es eng zwischen den Gräben

Niedersächsischer Weg: Gewässerrandstreifen ohne Dünger und Pflanzenschutz

Das Mitspracherecht für die Betroffenen und ein wirklicher Interessenausgleich zwischen Naturschutz und Landwirtschaft – das ist der entscheidende Vorteil des „Niedersächsischen Weges“ gegenüber dem Volksbegehren Artenvielfalt von Grünen und Nabu für die Bauern in Niedersachsen. So sieht das auch Hartmut Seetzen, der auf seinem Bauernhof an der Nordseeküste 100 Kühe mit Nachzucht hält und 95 Hektar (ha) Grünland und 35 ha Acker bewirtschaftet. „Die sind in 42 Schläge aufgeteilt“, verdeutlicht der Vorsitzende des Kreislandvolkverbandes Friesland, wie kleinstrukturiert die Gemarkungen an der Küste sind. Dementsprechend nah ist der nächste Graben, wenn er auf einer Wiese Dünger streut, Gülle ausbringt oder ab und zu gegen Sauerampfer oder Vogelmiere mit der Pflanzenschutzspritze unterwegs ist. Sollte er zu jedem Graben drei Meter Abstand halten, wie im Niedersächsischen Weg gefordert, verringert sich sein nutzbares Grünland um 15 Prozent.

Weil solche Regeln jedoch die Wirtschaftsgrundlage der Milchbauern gefährden, sieht der „Niedersächsische Weg“ für gewässerreiche Regionen Ausnahmen vor. „Wir sind jetzt in der Ausgestaltung des ‚Niedersächsischen Wegs‘ dabei, Gebiete zu definieren, in denen die erweiterten Gewässerrandstreifen für die Landwirtschaft trotz gesetzlich geregeltem finanziellen Ausgleiches untragbar sind“, führt Landvolk-Vizepräsident Holger Hennies aus und betont: „Kühe fressen eben Gras und keine Geldscheine.“ Trotzdem werde es auch an der Küste Gebiete geben, an denen der erweiterte Gewässerrandstreifen einzuhalten sein wird.

„Wenn ich zukünftig an Entwässerungsgräben deutlich mehr Abstand halten muss, ist das für mich ein wirtschaftliches Problem“, sagt Seetzen. Ihm ist es wichtig, dass die Regelungen im Niedersächsischen Weg an die Region angepasst sind, um zu wirtschaftlich vertretbaren Lösungen zu kommen. Außerdem ist für Seetzen von Belang, dass der Erfolg auch kontrolliert wird. „Wenn wir schon was machen, dann soll es auch was bringen“, fordert der Landwirt. Dann stünde die Landwirtschaft auch voll hinter den angepassten und angedachten Einschränkungen zum Wohle des Artenschutzes.

Nur die Daumenschrauben anzuziehen, ohne fachlich zu überprüfen, ob die vorgeschriebenen Maßnahmen auch erfolgreich seien, sei dagegen sinnlos und für die Landwirte sehr frustrierend. „Das ist für mich ein schlimmer Zustand, dass Naturschutzmaßnahmen oft so wenig begleitet werden“, sagt der Landwirt, der in seiner Arbeit eher zielorientiert denkt und dies auch vom Niedersächsischen Weg erwartet. Dort ist die Erfolgskontrolle vorgesehen, der Weg muss nun nur noch mit Leben gefüllt werden. Weitere Informationen unter www.niedersaechsischer-weg.de.

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Der Verbraucher bestimmt, wie viel „bio“ es sein darf

Niedersächsischer Weg sieht Unterstützung bei der Umstellung zum Ökolandbau vor

Carsten Bauck und Rouven Bremer
Carsten Bauck (r.) und Rouven Bremer Foto: Lutz Reinecke

Mehr Artenvielfalt, mehr Öko-Betriebe und somit mehr Bio-Lebensmittel – mit der Aufnahme des Bereichs „Ökologischer Landbau“ im „Niedersächsischen Weg“ soll der Ökolandbau ausgebaut und gefördert werden. „Ich freue mich, wenn Ökolandbau mehr wird und zwar nicht nur in der Wahrnehmung, sondern vor allem real“, erklärt Carsten Bauck als Vorsitzender des Öko-Ausschusses im Landvolk Niedersachsen zur Rahmenvereinbarung zwischen Politik, Umweltverbänden und Landwirtschaft. Aber es sei nicht allein Aufgabe der Politik, sondern des Verbrauchers, dass Bio-Ware in die Regale komme. „Erst muss dafür gesorgt werden, dass die Nachfrage nach Öko-Produkten steigt, dann können konventionelle Betriebe die Umstellung vorantreiben – nicht umgekehrt“, gibt der Fachmann, der mit seinem Bauckhof selbst ökologisch wirtschaftet, zu bedenken.

Deutschland ist der größte Bio-Markt in Europa und der zweitgrößte weltweit. Die Nachfrage nach heimischer Rohware aus ökologischer Landwirtschaft steigt seit Jahren kontinuierlich. Bio-Lebensmittel aus der Region sind gefragt – aktuell hat Corona die Nachfrage noch verstärkt. Der Umsatz mit Bio-Lebensmitteln stieg im Jahr 2019 im Vergleich zum Vorjahr um fast zehn Prozent auf 11,97 Mrd. Euro. Daher verwundert es nicht, dass 2019 im Agrarland Nummer 1 knapp 13.000 Hektar (ha) auf öko umgestellt wurden, sodass der Öko-Flächenanteil in Niedersachsen 120.675 ha beträgt – ein Plus von gut zwölf Prozent. Niedersachsen hat damit seine Ökofläche von 4,2 auf 4,7 Prozent gesteigert, doch gemessen an der gesamten landwirtschaftlichen Fläche ist es vom Bundesdurchschnitt mit 9,7 Prozent weit entfernt. Die gesamtdeutsche Öko-Fläche beläuft sich auf 1,62 Mio. ha.

Mit dem Niedersächsischen Weg soll der Ökolandbau bis 2025 auf 10 Prozent und bis 2030 auf 15 Prozent ausgebaut werden. Auf verschiedenste Förderinstrumente können die konventionellen Landwirte bei der Umstellung zurückgreifen. So können EU-Programme zur Förderung des ländlichen Raums, insbesondere die Agrarinvestitionsförderung, in Anspruch genommen werden. Weiterhin ist es möglich, Öko-Flächenprämien mit weiteren Umwelt- und Tierschutzmaßnahmen im Rahmen des Niedersächsischen Agrar-Umweltprogramms zu kombinieren. Das Kompetenzzentrum Ökolandbau Niedersachsen (KÖN) und die Landwirtschaftskammer stehen den Landwirten dabei nicht nur bei der Umstellung beratend zur Seite, sondern setzen sich von der Erzeugung, über Verarbeitung bis hin zur Vermarktung ökologischer Produkte ein. Mittels innovativer und individueller Konzepte soll das Bio-Angebot gesteigert werden. Vor kurzem wurden dazu die Landkreise Holzminden, Goslar und Uelzen als Öko-Modellregionen gestartet: Ziel ist, durch Kooperation zwischen Landwirten, Ernährungswirtschaft und Einzelhandel die Nachfrage nach heimischen Produkten zu steigern. Über drei Jahre werden diese drei Regionen mit jeweils jährlich 60.000 Euro vom Land Niedersachsen unterstützt.

„Es ist gut, dass Landwirte bei der Umstellung mit verschiedenen Programmen Unterstützung von Kammer und KÖN bekommen. Doch mit dem Festhalten an einer Zahl zu einem bestimmten Datum wird versucht, Öko-Betriebe in einen Markt zu bringen, den es noch gar nicht gibt“, blickt Carsten Bauck abwartend in die Zukunft. „Im Niedersächsischen Weg wird der Ökolandbau fest zementiert und mit Förderinstrumenten gepuscht. Wenn die Abnehmerseite nicht ausreichend mitwächst, führt das zu Verwerfungen auf dem Öko-Markt. Der Kunde muss mit seiner Nachfrage, seinem Kauf aktiv dafür sorgen, dass die Ware abfließt“, führt der Öko-Ausschussvorsitzende aus. Die Molkerei Ammerland habe beispielsweise gezeigt, dass Niedersachsen dafür eine gute Infrastruktur besitzt. „Hier wurde eindeutig gesagt, der Markt ist da, wir besorgen jetzt die Bauern dafür. So kann der Öko-Markt ausgebaut werden und zwar nicht auf Kosten der Kollegen und der Situation. Keiner darf im Regen stehen gelassen werden“, zeigt Bauck auf. Während bestehende Öko-Betriebe ihre Vermarktung selbst aufgebaut haben, sei die Mentalität konventioneller Landwirte hingegen meist eine andere: „Sie liefern ihre Ware oft beim Landhandel ab, der sich dann um den Rest kümmert. Diese Strukturen gibt es im Ökolandbau nicht. Öko-Bauern schreiben ihre Rechnungen überwiegend selbst.“ Erst müsse der Abnehmer geklärt sein, dann könne man mit der Umstellung anfangen. „Die Hausaufgaben müssen erst gemacht werden, dann freue ich mich über jeden neuen Bio-Bauern“, zeigt Carsten Bauck die Diskrepanz zwischen politischem und gesellschaftlichem Wunsch sowie ökologischer Wirklichkeit und Wirtschaftlichkeit auf. 162 landwirtschaftliche Betriebe sind 2019 in Niedersachsen neu hinzugekommen und stellen sich dem Bio-Markt, auf dem insgesamt 2.115 Bio-Bauern aktiv sind. Tendenz steigend! Weitere Infos unter www.niedersaechsischer-weg.de

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Der Bauern haben Bienen im Blick und tun ihnen Gutes

Niedersächsischer Weg – Anerkennung der Arbeit für mehr Artenvielfalt

Bienenfreundlicher Landwirt – Carsten Fricke

Auf Dinge hinweisen, die Landwirte für den Artenschutz tun – das ist das Ziel der Aktion „Bienenfreundlicher Landwirt“ der Initiative „Echt grün – Eure Landwirte“. 13 Kreislandvolkverbände unterstützen das Projekt niedersachsenweit. „Zusammen mit dem Bieneninstitut Celle wurde ein Maßnahmenkatalog ausgearbeitet, anhand dessen sich Landwirte als ‚bienenfreundlich‘ qualifizieren können“, erläutert Lisa Johannes vom Landvolk Hannover. In diesem Jahr nehmen mehr als 400 Bauernhöfe in Niedersachsen an der Aktion teil, davon mehr als 60 in der Region Hannover. Neben den Bienen profi-tieren jedoch auch andere Insekten, das Niederwild und Vögel von der Aktion.

So wie im Blühstreifen von Carsten Fricke aus Müllingen, in dem die Bienen fast so laut summen wie die nahegelegene Autobahn. „Blühstreifen sind sehr wertvoll, weil sie über einen sehr langen Zeitraum Nahrung bieten und damit Engpässe überbrücken“, erläutert Fricke den Nutzen des auch für Spaziergänger schön anzusehenenden zwölf Meter breiten Streifens zwischen Graben und Weizen. Diese mit viel Mühe angesäte Blütenmischung steht im Kontrast zu der großen extensiven Streuobstwiese, die der Landwirt an anderer Stelle nahezu unbewirtschaftet liegen lässt und an deren Rand er einige Totholzhaufen aufgeschichtet hat.

Mit diesen Maßnahmen hat der Landwirt schon einen großen Beitrag zur Artenvielfalt geleistet und bei der Aktion „Bienenfreundlicher Landwirt“ Punkte gesammelt. Neben den beliebten Blühstreifen gehören naturbelassene Unkrautecken, mehrjährige Sand- und Feldsteinhaufen, rottendes Altholz oder ein Staudengarten auf dem Hof zu den anerkann-ten Angeboten. Bauern können sich aber auch verpflichten, Feld- und Wegerandstreifen erst nach dem Ausblühen oder Altgrasstreifen ganz stehen zu lassen und mit Imkern zu kooperieren. „Die meisten Sachen machen wir sowieso schon seit Jahren“, sagt Fricke.

Ihm ist es wichtig, auf den freiwilligen Beitrag der Landwirte zum Naturschutz hinzuwei-sen. Er macht aber auch deutlich, dass die Förderung der Artenvielfalt von Bauern zum Nulltarif schwierig ist. „Das auszugleichen, was Gewerbe und Bebauung jeden Tag an-richten, überfordert die Landwirtschaft“, sagt Fricke. Er spricht sich deshalb für eine Ho-norierung weiterer Maßnahmen aus, wie sie auch im Niedersächsischen Weg der Landes-regierung vorgesehen sind. Dabei wollen die Politiker gemeinsam mit Naturschutzver-bänden und dem Landvolk Niedersachsen den Natur-, Arten- und Gewässerschutz in Niedersachsen weiterentwickeln und die Landwirtschaft vermehrt in die Pflicht nehmen, sie dafür aber auch entlohnen. Weitere Informationen unter www.niedersaechsischer-weg.de

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Wie geht es weiter auf dem Niedersächsischen Weg?

Niedersächsischer Weg – Landvolk informiert über das Prozedere und den Zeitrahmen

Albert Schulte to Brinke
Foto: Landvolk Hildesheim

Eng gesteckt ist der Zeitplan, mit dem der „Niedersächsische Weg“ auf die Zielgerade einbiegen soll. Die in dieser Form bundesweit einmalige Vereinbarung, die im Mai zwischen Landwirtschaft, Naturschutz und Politik geschlossen wurde, wird sich noch in diesem Herbst in konkrete Formulierungen in verschiedenen Gesetzesentwürfen weiter entwickeln und beraten werden. Die Unterzeichner haben sich verpflichtet, konkrete Schritte für einen verbesserten Natur-, Arten- und Gewässerschutz unter besonderer Berücksichtigung der Landwirtschaft umzusetzen. „Im ersten Schritt ist es jetzt wichtig, dass alle Partner in den Arbeitsgruppen mit dem Umwelt- und Landwirtschaftsministerium der Landespolitik gute Formulierungshilfen für die vereinbarten Gesetzesänderungen an die Hand geben. Daran arbeiten wir derzeit täglich“, fasst Landvolk-Präsident Albert Schulte to Brinke den aktuellen Sachstand zusammen.

Das Niedersächsische Naturschutz-Ausführungsgesetz, das Niedersächsische Wassergesetz und das Niedersächsische Waldgesetz müssen angepasst werden, damit den Vereinbarungen im Niedersächsischen Weg entsprochen werden kann. „Für uns Landwirte ist besonders wichtig, dass unsere Kooperation fair ausgestaltet wird, sowohl durch gesicherte Finanzierungsregeln als auch über Berücksichtigung unserer bereits heute täglich erbrachten freiwilligen Agrarumweltmaßnahmen“, betont der Landvolkpräsident.

Mit dem Niedersächsischen Weg sichert die Landesregierung den Landwirten und Natur-schutzverbänden zu, dass die vereinbarten Leistungen auch honoriert werden. Hierzu gibt es erste konkrete Haushaltsbeschlüsse, über die endgültig noch der Landtag entscheiden wird. Für die verstärkten Fördermaßnahmen ist wie bisher die Kofinanzierung aus EU- und Bundesmitteln eingeplant.

Der genaue Zeitrahmen für die finalen Beratungen im Landtag wird derzeit abgeprüft. Bis Ende August sollen die Arbeitsgruppen ihre Vorschläge für gesetzliche Änderungen end-gültig ausgearbeitet haben. Anschließend sind weitere Beratungen über die konkrete Aus-gestaltung von vereinbarten Aktions- und Förderprogrammen notwendig. Noch im Herbst werden die Kabinettsbeschlüsse über die Gesetzentwürfe erwartet, die dann den zuständi-gen Landtagsgremien vorgelegt werden. Dann haben die Abgeordneten des Niedersächsi-schen Landtags das letzte Wort. Sie entscheiden über unsere gemeinsam erarbeiteten Vorschläge. Wir arbeiten derweil weiter konstruktiv mit und lassen uns dabei nicht beirren“, bekräftigt Schulte to Brinke.

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Pflanzenschutzmitteleinsatz soll reduziert werden

Niedersächsischer Weg – Erzeugung gesunder Lebensmittel bleibt Kernaufgabe

Vizepräsident Ulrich Löhr
Foto: Landvolk Niedersachsen

Die Idee, durch verbesserte Technologien, Pflanzenzucht und integrierten Pflanzenbau den Pflanzenschutzmitteleinsatz zu reduzieren, ist ein wesentlicher Punkt des Niedersächsischen Weges. „Dazu wird noch eine Menge Forschung und Entwicklung nötig sein“, sagt Ulrich Löhr, Vizepräsident im Landvolk Niedersachsen. Er ist sich sicher, dass mit dem technischen Know-how Herbizide zukünftig seltener oder nur noch punktuell, anstatt auf der ganzen Fläche eingesetzt werden. „Es gibt in diesem Bereich umfangreiche Ideen und Forschungen“, sagt Löhr. Deshalb hält er es auch für sinnvoll, dass den Landwirten im Niedersächsischen Weg Anreize gesetzt und die Anschaffung neuer Technik und der freiwillige Verzicht auf Pflanzenschutzmittel massiv gefördert werden sollen, anstatt einzelbetriebliche Verpflichtungen und Vorgaben zu einzelnen Wirkstoffen durchzusetzen.

An die Pflanzenzüchter geht zudem die Forderung nach resistenten Pflanzen. „Mit modernen Züchtungsmethoden lassen sich Pflanzen züchten, die Schädlingen trotzen“, sagt der Landwirt. Er betont aber, dass es sich dabei keinesfalls um risikobehaftete Gentechnik handele. Molekularbiologische Methoden wie CRISPR/Cas könnten den Zuchtfortschritt aber erheblich beschleunigen und daher vermehrt in den Fokus genommen werden sollten.

Eine Herausforderung wird seiner Meinung nach der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in Schutzgebieten sein. „Da ist die fachliche Frage zu klären, was noch eingesetzt werden darf und wann“, sagt Löhr. Totalherbizide seien in Naturschutzgebieten ohnehin schon verboten, andere Mittel nur in Einzelfällen nach vorheriger behördlicher Genehmigung erlaubt. Der Niedersächsische Weg spricht sich nun für eine weitergehende Reduktion von Pflanzenschutzmitteln auf Ackerflächen in Naturschutzgebieten aus. Auf Dauergrünland in Landschaftsschutzgebieten, die ein Natura-2000-Gebiet sichern, und in Naturschutzgebieten soll die Ausbringung von chemisch-synthetischen Mitteln grundsätzlich untersagt werden. Ausgenommen sollen Fälle sein, für die es keine zumutbare praxistaugliche Alternative gibt, sowie eine maßvolle Anwendung auf durch Kalamitäten (z.B. Mäuseplage) betroffenen Teilflächen, denen der Schutzzweck des jeweiligen Gebietes nicht entgegensteht.

Um herauszufinden, ob die Ziele des Niedersächsischen Weges erreicht werden, sind um-fassende Evaluierungsmaßnahmen nötig. „Da sind noch Ideen gefragt“, sagt Löhr. Ihm schwebt ein Testbetriebsnetz oder ähnliches vor, nach deren Erfahrungen die Maßnahmen auch angepasst werden können. Auf keinen Fall dürften die Landwirte mit noch mehr Bürokratie belastet werden. „Die nachhaltige Erzeugung gesunder Lebensmittel bleibt die Kernaufgabe der bäuerlichen Familienbetriebe“, sagt Löhr.

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Den Niedersächsischen Weg zügig umsetzen

Landvolk-Präsident setzt weiter auf breiten gesellschaftlichen Konsens

Foto: Landvolk Niedersachsen

Der Landesbauernverband setzt sich dafür ein, den Niedersächsischen Weg weiter zügig umzusetzen. Nach nunmehr drei Monaten harter und konstruktiver Verhandlungen in den Arbeitsgruppen hat der Lenkungskreis jetzt die Vorschläge für die Änderungen des Niedersächsischen Naturschutzgesetz sowie des Wasser- und Waldgesetzes beraten und beschlossen. Auf Seiten der Landwirtschaft waren bei den Gesprächen Vertreter der Landwirtschaftskammer, der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), von Land schafft Verbindung (LsV) und Landvolk dabei.

„Es gab durchaus Konfliktpotenzial zwischen Landwirtschaft und Umweltverbänden, aber auch viel gegenseitiges Verständnis. Im Dialog auf Augenhöhe ist es allen Akteuren gelungen, die strittigen Fragen zu klären. Durch die jetzt geeinten Themen des Niedersächsischen Weges haben wir eine Empfehlung für unsere Abgeordneten, die eine gute Basis für den Erhalt der Artenvielfalt in unserem Land darstellt und unseren landwirtschaftlichen Betrieben Planungssicherheit gibt“, erklärt dazu heute Landvolk-Präsident Albert Schulte to Brinke.

„Es gibt jetzt einen breiten gesellschaftlichen Konsens über die Inhalte des Niedersächsischen Weges“, sagt der Landvolkpräsident. Er appelliert an die Regierungsfraktionen, die geeinten Vorschläge unterstützen.

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Niedersächsischer Weg: Landvolk begrüßt Zustimmung der Fraktionen

Niedersächsischer Weg: Landvolk begrüßt Zustimmung der Fraktionen

Foto: Landvolk Niedersachsen

„Wir sind erleichtert, dass die Regierungsfraktionen sich heute nahezu einvernehmlich für das schnelle Verfahren entschieden haben, die Gesetzesentwürfe gemäß der Verabredungen beim Niedersächsischen Weg in den Landtag einzubringen. Das ist ein klares Bekenntnis für den Niedersächsischen Weg. Das Landvolk konnte im Sinne der Landwirtschaft mit fairen Argumenten die Kritiker überzeugen. Die Arbeit wird weiter gehen, denn es gibt es immer noch Bereiche, die konkretisiert werden müssen, zum Beispiel die Gebietskulisse gerade in Ostfriesland oder der Wesermarsch sowie Fragen zum Landeswald oder zu den Mooren. Für unsere Bauern bedeutet der Niedersächsische Weg mehr Sicherheit für ihre Betriebe bei den großen Schritten in Richtung Naturschutz, um den gesellschaftlichen Anforderungen weiterhin gerecht zu werden“, erklärt Landvolkpräsident Albert Schulte to Brinke.